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Mosambik: Nothilfe nach Wirbelsturm Idai

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Ein halbes Jahr ist seit den verheerenden Stürmen in Mosambik vergangen. Noch immer leistet Caritas international mit ihren Partnerorganisationen Nothilfe. Noch immer sind die Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, da die Zyklone und der folgende Starkregen die Felder überschwemmten und die Ernten vernichteten. Erst wenn die Menschen wieder ihre Ackerflächen bewirtschaften, können sie langfristig unabhängig werden. Auch der bald einsetzende Wiederaufbau der zerstörten Häuser wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. 

Die Zerstörungskraft der Zyklone Idai und Kenneth

Innerhalb von sechs Wochen wurde Mosambik von zwei zerstörerischen Wirbelstürmen getroffen. Mitte März traf Zyklon Idai mit Geschwindigkeiten bis zu 160 Kilometer pro Stunde auf Land und verursachte die schwersten Überschwemmungen seit 20 Jahren. Mehr als 600 Menschen verloren bei der Katastrophe ihr Leben, rund 110.000 Häuser sind völlig zerstört. In der Stadt Beira wurden nahezu 90 Prozent der Bewohner obdachlos, mehr als 1.700 Cholerafälle wurden gemeldet.

Während die Menschen noch mit den Auswirkungen von Idai kämpften, kam mit Zyklon Kenneth Ende April die nächste Katastrophe. Der Sturm wütete im weniger dicht besiedelten Norden des Landes. Zunächst sah es so aus, als sei dieser Sturm nicht ganz so verheerend. Tausende Menschen wurden vorab evakuiert und Vorräte in Sicherheit gebracht. Doch die Bilanz zeigt anderes: 160.000 Menschen sind von Kenneth betroffen, mehr als 35.000 Häuser wurden ganz oder teilweise zerstört. Insgesamt sind nach diesen beiden Stürmen über 1,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen, und dies längere Zeit. Denn sie vernichteten Ernten und über 715.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen. 

Zeltplanen und Lebensmittel

Mit den Nothilfemaßnahmen erreicht Caritas international in Zusammenarbeit mit vielen lokalen Partnern und Unterstützung des Auswärtigen Amts rund 55.000 Menschen.

Gemeinsam mit der Caritas Beira wurden 8.000 Zeltplanen verteilt, damit die Menschen ihre Häuser möglichst schnell notdürftig reparieren und sich vor Wind und Regen schützen können. Weiter werden Nahrungsmittel, Kochutensilien und Hygieneartikel abgegeben. Die Verteilungen finden in Schulen, Kirchen und anderen Sammelunterkünften statt. Rund 11.550 Menschen in der Stadt und in der Provinz Sofala profitieren von diesen Hilfeleistungen. Die Caritas Chimoio unterstützt mit Hilfe von Caritas international weitere 3.000 Menschen in der ebenfalls stark betroffenen Provinz Manica.

David S. vor seinem zerstörten Haus und mit Plastikplanen der CaritasLinks: David S. mit seiner Familie vor seinem eingestürzten Haus. Rechts: Der Familienvater bei der Verteilung von Plastikplanen durch die Caritas.Foto: Andreas Scheibenreif / Caritas international

Zerstörung der Ernten erfordert langfristige Hilfe

Das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigte sich erst zwei Monate nach der Katastrophe. Viele Siedlungen nahe der Missionsstation Estaquinha des Caritas-Partners Esmabama liegen in unmittelbarer Umgebung des Flusses Buzi. Während der Überschwemmungen mussten die Menschen dort zum Teil tagelang ohne Essen auf Dächern oder Bäumen ausharren. Seitdem das Wasser abgeflossen ist, stehen viele vor dem Nichts, die Wassermassen haben ihre Häuser zum Teil komplett weggespült. Doch durch die Flut wurden auch die Ernten und damit die Nahrungsgrundlage der überwiegend von Subsistenzwirtschaft lebenden Bevölkerung zerstört.

Schäden in Barada und Verwüstung in MangundeLinks: Zerstörtes Internatsgebäude in der Missionsstation Barada. Rechts: Ehemals überschwemmtes Ackerland in unmittelbarer Nähe der Missionsstation in Mangunde.Foto: Tate Drucker (links) und Andreas Scheibenreif (rechts) / Caritas international

„Da wir in den vergangenen Jahren in höheren Lagen mit Dürren zu kämpfen hatten, hofften wir auf bessere Ernten Nahe der Flüsse“, beschreibt José Zacanias, Leiter der Gesundheitsstation in Mangunde die Situation. Auch in den Regionen, in denen die Caritas Beira Hilfe leistet, ist das ein Problem. „Wir brauchen dringend Saatgut, damit sich unsere Familien bald wieder selbst ernähren können“, sorgt sich David Senguerer, ein Kleinbauer aus Tica.

Wiederaufbau und Rehabilitation mit vereinten Kräften

Die Unterstützung der Kleinbauern ist ein Schwerpunkt der Hilfen in den nächsten Wochen und Monaten. Denn erst, wenn die Menschen wieder ihre Felder bewirtschaften, können sie langfristig von Nahrungsmittelhilfen unabhängig werden. Der Wiederaufbau der zerstörten Häuser wird noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Das gilt auch für den Caritas-Partner Esmabama. Rund 35.000 Menschen nutzen die Schulen, Wohnheime und Gesundheitszentren der Missionsstationen. Die Missionsstation in Barada hat es besonders schwer getroffen, viele Einrichtungen wurden stark beschädigt. Der Zugang über den Landweg war lange abgeschnitten. Mitarbeitende von Esmabama versorgten die Menschen per Boot mit Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Medikamenten.

Rosa Z. in ihrem zerstörten Haus und bei einer Verteilung der CaritasLinks: Rosa Z. aus Beira zeigt ihr durch Wirbelsturm Idai beschädigtes Haus. Rechts: Die fünffache Mutter Rosa bei einer Verteilung der Caritas.Foto: Andreas Scheibenreif/ Caritas international

Mit der Nothilfe erreicht Esmabama mindestens 12.700 Menschen. Ein Großteil davon sind Schülerinnen und Schüler, die auf den Missionsgeländen leben, sowie deren Familien. In Anbetracht der Schwere der Katastrophe wird die Hilfe aber auch auf besonders vulnerable Familien aus dem Umfeld der Missionsstationen ausgeweitet.

Um diese Hilfen leisten zu können, sind wir dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen!

August 2019

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„Wir arbeiten Tag und Nacht um die Menschen in Mosambik zu versorgen“

Caritas-Mitarbeiter Ingo Steidl berichtet am 2. April 2019 im Interview mit dem MDR über die humanitäre Lage in Mosambik.