URL: www.caritas-os.de/themen/migration-und-integration/fluechtlingshilfe/newcomers/shakespeare-in-zaatari
Stand: 29.06.2016

Pressemitteilung

Theater in der Trostlosigkeit des Flüchtlingslagers

Zataari 2Kleine Schauspieler ganz groß: Bei der Aufführung der Shakespeare-Stücke im Lager Zaatari haben die Kinder viele Zuschauer.

Als der Abspann läuft, bleibt es im Kinosaal im ersten Moment ruhig. Dann brandet Applaus auf - ein Beleg dafür, dass die Deutschlandpremiere von "Shakespeare in Zaatari" im Osnabrücker Cinema-Arthouse gelungen ist. Der Diözesancaritasverband Osnabrück und Exil e.V. - Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge hatten die Vorführung in Kooperation mit mumbo jumbo media und dem Cinema-Arthouse präsentiert. 

Wie berührt die Zuschauer von den Filmszenen sind, zeigt sich auch im anschließenden Gespräch mit dem syrischen Regisseur Maan Mouslli, der sich den Fragen aus dem Publikum stellt. Mousllis Film dokumentiert ein Theaterprojekt mit syrischen Kindern im jordanischen Zaatari, einem der größten Flüchtlingslager der Welt. Dort übt der bekannte syrische Schauspieler und Regisseur Nawar Bulbul mit ihnen über mehrere Monate die Shakespeare-Tragödien "King Lear" und "Hamlet" ein, die sie zunächst im Lager selbst, anschließend im Römischen Theater in der jordanischen Hauptstadt Amman aufführen. Das Theaterprojekt sei eigentlich zu Dokumentationszwecken mit Handykameras gefilmt worden, sagt Regisseur Mouslli. Doch dann bekam er die Videos zu sehen. "Sie haben mich so beeindruckt, dass ich daraus einfach einen Film machen musste, damit auch andere Menschen diese Geschichte erleben können", beschreibt der Syrer seine Motivation.

Harte Lagerrealität

Zataari 1Schauspieler Nawar Bulbul übt mit Kindern im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien Texte von Shakespeare ein.

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die Trostlosigkeit des Flüchtlingslagers Zaatari in Jordanien und zeigt zugleich, wie den Kindern das Theater hilft, ihre Schmerzen zu lindern, neue Hoffnung zu schöpfen und ihre Träume wiederzufinden. Nach anfänglicher Schüchternheit inszenieren die kleinen Darsteller Shakespeares Stücke, als hätten sie nie etwas anderes gemacht, und begeistern sich für die Herausforderungen, die das Theaterspiel mit sich bringt.

Doch die harte Lagerrealität bleibt allgegenwärtig. So berichtet Nawar Bulbul in einer Filmszene davon, wie ein Junge ihn bat, mit seinem Essenspaket zu seinem Zelt laufen zu dürfen - um es dort mit seiner Familie zu teilen. Und er erzählt von Homam, einem Jungen, der eine Rolle im Stück hat und nach dem Projekt im Lager stirbt. Es sind Schlaglichter auf eine Wirklichkeit, die von außen schwer vorstellbar ist.

Neues Filmprojekt "Newcomers"

Nach der Gesprächsrunde flimmert der Trailer des neuen Dokumentarfilmprojekts "Newcomers" über die Kinoleinwand. Zuvor stellt Projektleiterin Sara Höweler dieses Vorhaben der Regisseure Maan Mouslli und Anis Hamdoun genauer vor. Die beiden Syrer wollen aktuelle Flüchtlingsgeschichten erzählen und diese mit den Schicksalen jener Menschen verbinden, die ihrerseits einst aus Deutschland fliehen mussten, etwa vor den Nazis. So erscheinen im Hintergrund des Trailers die Porträts von Thomas Mann oder Bertolt Brecht. Das Filmprojekt wird vom Diözesancaritasverband Osnabrück und dem Exil-Verein unterstützt und soll später unter anderem in Schulen gezeigt werden. Der Trailer läuft im Vorprogramm im Cinema-Arthouse.

Im Herbst sollen die Dreharbeiten für "Newcomers" beginnen, und schon jetzt werden Spenden für das Projekt gesammelt. So fließt der Erlös der Deutschlandpremiere von "Shakespeare in Zaatari" nun in die Entstehung des Films. Außerdem hat sich das Filmteam eine ungewöhnliche Idee überlegt: "Wir versteigern besondere Momente bei Ebay", erläutert Höweler. "Dort kommen zum Beispiel ein syrisches Party-Catering oder Porträtzeichnungen nach Fotovorlage unter den Hammer." Das Geld fließt dann in das "Newcomers"-Projekt.