Aktuelles/Juli 2018

Werlte

Flüchtlinge tappen schnell in Vertragsfallen

Werlte Flüchtlingshilfe 2Marvin Momberg von der Verbraucherzentrale Niedersachsen spricht über Vertragsfallen für Geflüchtete.Jürgen Eden

Mit der Ankunft in Deutschland sind Geflüchtete mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert. Um ihnen das Zurechtfinden in der neuen Lebenswirklichkeit zu erleichtern, hatte die Flüchtlingshilfe vom Caritasverband Emsland zu einem Info-Nachmittag mit der Verbraucherzentrale Niedersachsen in den Saal Sabel nach Werlte eingeladen. Der Informationsbedarf ist große, denn viele Fragen rund um die Daseinsvorsorge standen im Mittelpunkt.

Wie eröffne ich ein Konto? Welche Versicherungen sind wichtig? Wie kann ich einen Vertrag kündigen und was für Rechte habe ich? Diese und viele weitere Fragen beantwortete  Marvin Momberg von der Verbraucherzentrale.  Da sich Geflüchtete oft mit ihren Anliegen an ehrenamtliche Helfer wenden, waren auch von ihnen einige dabei.

Mobilfunkverträge

Von zentraler Bedeutung ist für die meisten Geflüchteten der Kontakt zu ihren Verwandten im Heimatland. Daher rückten auch Fragen rund um Mobilfunkverträge in den Mittelpunkt. "Nicht alle Anbieter beraten ihre Kunden umfassend und bieten Verträge an, die ihrem tatsächlichen Telefonieverhalten entsprechen", sagte Momberg. Die mangelnden Sprachkenntnisse werden nach seinen Worten von einigen schwarzen Schafen ausgenutzt. Rund 40 Prozent der Beratungstätigkeiten wendete die Verbraucherzentrale demnach in den vergangenen Monaten rund um Mobilfunkverträge auf.

Werlte Flüchtlingshilfe 1Geflüchtete haben aufgrund der sprachlichen Defizite oft Probleme mit der Verständigung über deutsche Verträge. Einen roten Faden boten während einer Infoveranstaltung Marvin Momberg von der Verbraucherzentrale Niedersachsen und Leonie Palm vom Caritasverband Emsland. Jürgen Eden

Auch bei Kreditkartenanbietern gibt es nach seinen Worten immer wieder Probleme, da die Tarife nicht immer transparent seien. Auf Dauer sei es wichtig, dass die Beratungsstellen und die ehrenamtlichen Helfer Unterstützung leisten. "Gerade in den ersten Monaten ihrer Ankunft gilt es viele Dinge zu regeln. Doch gerade in dieser Zeit fehlen oft noch die nötigen Sprachkenntnisse, aber natürlich mangelt es auch an Informationen zum deutschen Rechtssystem",  so Leonie Palm von der Caritas-Beratungsstelle Werlte.

Finanzielle Probleme

Nicht wenige  Flüchtlinge lebten nun schon länger in Deutschland und seien bereits durch fehlende Sprachkenntnisse und Unwissenheit in manche Vertragsfalle getappt. "Das kann schnell zu finanziellen Problemen führen", so Palm weiter. Daher gebe es viele Fragen, die geklärt werden müssen, damit ein Leben in Deutschland überhaupt reibungslos möglich ist. "In ihren Heimatländern gibt es oft kein Vertragsrecht geschweige denn Versicherungen und somit auch keinen Verbraucherschutz",  ergänzt Palm.

Sie hilft seit Ende 2015 im Auftrag des Caritasverbandes Emsland Flüchtlingen und Zugewanderten bei der Integration auf dem Hümmling. Ihr Angebot der Migrationsberatung richtet sich an Einzelpersonen und Familien. Eine weitere Veranstaltung zum Thema Verbraucherschutz für Geflüchtete hatte es kürzlich bereits in Sögel gegeben. Die Veranstaltung in Werlte wird vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie gefördert.