
.Ein Spitzenplatz der ungeliebten Sorte: Nirgendwo in Niedersachsen ist die Geldspielautomatendichte höher als in Osnabrück, wo ein Gerät auf 160 Einwohner kommt. Für viele Menschen wird die Freizeitbeschäftigung zu einem handfesten Problem, wie der Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Osnabrück zunehmend feststellt. Um junge Menschen über die Gefahren zu informieren beteiligte sich der Verband auch in diesem Jahr am bundesweiten Aktionstag Glücksspielsucht. So waren Mittarbeiter der Fachambulanz für Prävention und Rehabilitation mit einem Informationsstand beim Sportfest der Berufsbildenden Schulen Pottgraben vertreten.
Die Glücksspielprävention gehört zur regelmäßigen Zusammenarbeit zwischen BBS und Caritas. Und das hat einen einfachen Grund: Durch den leichten Zugang über das Internet kommen zahlreiche junge Menschen in Kontakt zu Wettanbietern - häufig mit erheblichen negativen Folgen für den Geldbeutel, berichtet die Suchttherapeutin Katharina Szoltysik. Betroffen seien häufig junge Männer, die in einer Umbruchsituation - etwa durch die erste eigene Wohnung oder eine neue Arbeitsstelle - seien. Kämen dann Kontakte zu Wettanbietern zustande, womöglich zu Beginn noch mit Gewinnen, sei der Reiz groß, häufiger Einsätze zu wagen, erläutert Szoltysik. Aber auch die Geldspielautomaten sind häufig der Einstieg in die Sucht. In Osnabrück werfen Menschen jährlich knapp 30 Millionen Euro in die Geräte - das macht mehr als 80.000 Euro am Tag.
Die Schüler der BBS Pottgraben stellen szenisch das Motto „Finger weg!“ dar.
In Stadt und Landkreis Osnabrück berät die Caritas jährlich rund 100 Menschen, die Probleme mit dem Glücksspiel haben. Häufig schließen sich ambulante oder stationäre Therapien an. Damit es aber gar nicht erst so weit kommt, spielt die Prävention eine große Rolle. Die Zusammenarbeit mit der BBS Pottgraben ist noch aus weiterem Grunde naheliegend: In vielen Fällen haben junge Auszubildende das erste Mal ein eigenes Einkommen - und damit überhaupt erst die Möglichkeit Geld für Glücksspiel auszugeben. Auf dem Sporttag, der auch Disziplinen wie Torwandschießen oder Darts umfasste, konnten sich die Teilnehmer über die Glücksspielproblematik informieren. Das Caritas-Team hatte auch "Finger weg!"-Postkarten dabei, auf deren Rückseite das Schicksal von Marcel skizziert wird, der den geplanten Mallorca-Urlaub aufgrund der Verluste bei Sportwetten absagen musste. Ein QR-Code leitet auf die Homepage der örtlichen Suchtberatungsstelle.
Eine Aufgabe der Schülerinnen und Schüler: Sie mussten nach kurzer Beratung überlegen, wie sie das "Finger weg!"-Motto darstellen konnten. Die Caritas filmte die Darbietung und wird die Kurzfilme den Gruppen zur Verfügung stellen.
Der Sporttag richtet sich an die neuen Schülerinnen und Schüler, die eine Vollzeitschule der BBS besuchen. Die Aktion soll zu einem Gemeinschaftsgefühl beitragen - und passe auch gut zu dem Angebot der Caritas, da Sport und Gesundheit zusammengehörten, sagt Lehrer Uwe Stegenwallner, der auch Präventionsbeauftragter der Schule ist. Mit der Aktion werde die Hemmschwelle gesenkt, Hilfe anzunehmen, falls Schülerinnen und Schüler Probleme mit Glücksspielen hätten.