Aufatmen, wieder gesund werden!
Jeden Tag, jede Woche, das ganze Jahr: die ständige Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige bei gleichzeitiger Berufstätigkeit - das kann bei Müttern und Vätern zu Überlastungen führen. Die Kurberaterin der Caritas in Bersenbrück, Barbara Zerhusen, erläutert im Gespräch, was dazu führt, dass Eltern mit ihren Kräften am Ende sind und wie sie durch eine Kur wieder gesund werden.
Frage: Wo sehen Sie Gründe für die zunehmende Belastung von Müttern?
Frau Zerhusen: Die Belastungen, denen Mütter heute ausgesetzt sind, sind sehr vielfältig. Neben dem eigenen Druck Erziehung und Beruf im Alltag unter einen Hut zu bekommen, fühlen sich viele auch von außen unter Druck gesetzt. Wir sprechen bei solchen vielfältigen Anforderungen von mütterspezifischen Belastungssituationen. Die Folge sind oft chronische Erschöpfungszustände. Diese werden aber auch häufig durch die Pflege kranker Angehörige hervorgerufen, auch dann kann man über uns eine Kur beantragen.
Frage: Wie kann in so einer Situation eine Kur beantragt werden?
Frau Zerhusen: Bedingung für die Bewilligung einer Kur ist das Attest eines Arztes. Denn bei einer Kur handelt es sich um eine medizinisch notwendige Vorsorge- oder Rehabilitations-Maßnahme, es gibt also ein Krankheitsbild. Unter einer Kur versteht sich keineswegs ein Entspannungsurlaub, es geht um die Wiederherstellung der Gesundheit des pflegenden Angehörigen, der Mutter/des Vaters oder von Mutter/Vater und Kind gemeinsam. Die Beantragung der Kur kann dann über unsere Beratungsstelle laufen.
Frage: Das heißt Kinder können mit in die Kur?
Frau Zerhusen: Ja. Wir unterscheiden zwischen einer reinen Mütterkur oder reinen Vaterkur und der Mutter bzw. Vater-Kind-Kur. Bei letzteren geht es zum einen darum, Mutter/Vater und Kind gesundheitlich zu stärken, Abwehrkräfte zu aktivieren und einen guten gesunden Umgang mit dem Körper zu finden. Das gilt häufig auch für die Kinder, denn fast jedes dritte Kind leidet unter einer Atemwegserkrankung, ADHS oder Übergewicht. Zum anderen geht es auch darum, den Alltag in den Blick zu nehmen und Lösungsansätze für Schwierigkeiten zu Hause zu finden. So sind zum Beispiel Erziehungs- und Ernährungskurse feste Bestandteile.
Frage: Und nach der Kur? Ist da nicht oft schnell wieder alles beim Alten?
Frau Zerhusen: Die Ansätze, die in der Kur vermittelt werden, sind realitätsnah, d.h. es wird geschaut, was machbar - was im Alltag integrierbar ist. So haben die Frauen einen Leitfaden, an dem sie sich orientieren können: kleine Veränderungen machen, kleine Ziele stecken, die dann auch erreichbar sind, das ist die Devise. Nach der Kur findet außerdem eine Nachbetreuung statt, d.h. wir begleiten die Mütter und Väter auch hinterher und unterstützen dabei, in der Kur Erlerntes umzusetzen.
Frage: Sind Mütter heute mehr Belastungen ausgesetzt als früher?
Frau Zerhusen: Ich denke Mütter haben zu jeder Zeit mit schwierigen Situationen zu tun gehabt. Die Anforderungen an Mütter haben sich vielmehr verändert und natürlich auch die Familienstrukturen.
Was mir auffällt ist, dass es so etwas wie eine "Erziehungsunsicherheit" gibt. Das Fördern der Kinder steht eindeutig im Vordergrund, was natürlich gut ist, aber Forderungen an die Kinder gehören in Maßen dazu. Es ist wichtig, die Kinder im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch in Verantwortung zu nehmen, ihnen etwas zuzutrauen. Das tut auch den Müttern gut.
Frage: Ihr Rat an Mütter und Väter, die darüber nachdenken zur Kurberatung zu gehen?
Frau Zerhusen: Wichtig ist, die eigenen gesundheitlichen Beschwerden erst zu nehmen und sich zu gestatten, sich um die eigene Gesundheit zu kümmern. Und man sollte sich frühzeitig informieren, denn in den meisten Fällen dauert es bis zu sechs Monaten bis die Kur dann tatsächlich angetreten werden kann.