Aktuelles/September 2018

Das Leben im Haus St. Marien beginnt

1. BewohnerinMaria Schleper in ihrem neuen Zimmer im Haus St. Marien. Sie zählt zu den ersten Bewohnern der neuen Einrichtung. Foto: Caritas/ Hamel

Entspannt sitzt Maria Schleper in ihrem Sessel und wirkt gar nicht so, als hätte sie erst vor wenigen Stunden das Zimmer bezogen. Dabe wurde die 88-Jährige erst am Morgen dieses 1. Septembers als erste Bewohnerin im neu eröffneten Haus St. Marien begrüßt. Zusammen mit ihr haben an diesem Tag 17 weitere Senioren dem alten Gebäude neues Leben eingehaucht. Damit hat die Einrichtung der Caritas St. Marien Pflege GmbH offiziell ihren Betrieb aufgenommen.

Maria Schleper äußert einen guten ersten Eindruck von ihrem neuen Zuhause: "Alles ist neu und schön!" Die frühere Schneiderin stammt gebürtig aus der Grafschafter Kreisstadt, ist also eine "waschechte Nordhornerin", wie sie sagt. Das frühere Marienkrankenhaus, unter dessen Dach sie nun residiert, kennt sie seit frühester Kindheit. Mit fünf Jahren zog sie ins Gebiet der St.-Marien-Gemeinde, die heute Teil der Stadtpfarrei St. Augustinus ist. Einmal, so berichtet die sympathische Seniorin, hat sie sich als junges Mädchen beim abendlichen Spielen die Schulter gebrochen: "Da musste ich ins Krankenhaus", erinnert sie sich. In der Röntgenabteilung erhielt sie dann von einer Thuiner Schwester eine Tafel weiße Schokolade: "Das vergesse ich nie."

1. Bewohnerin 2Maria Schleper und Heimleiterin Monika Wesselmeier mit einem der Messgewänder, die die Seniorin einst genäht hat und die noch heute in der Sakristei des alten Marienkrankenhauses hängen. Foto: Caritas/ Hamel

Auch in ihrem weiteren Leben hatte sie verschiedene Berührungspunkte mit der Klinik. Ehrenamtlich unternahm sie etwa Krankenhausbesuche. Ihr Talent im Schneiderhandwerk nutzte sie, um sich einer ganz besonderen Leidenschaft hinzugeben: dem Nähen von Messgewändern. Eine Vielzahl an Exemplaren dieser kunstvoll bestickten Liturgiekleidung stammt aus der Hand von Maria Schleper. So fertigte sie auch Gewänder für die Kapelle des Marienkrankenhauses, in welcher nun wieder regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden. Bei einem Blick in die Schränke der Sakristei wird sie fündig: Tatsächlich hängt dort noch eines ihrer Werke.

Mit großer Trauer hat Maria Schleper - ebenso wie viele weitere Nordhorner - schließlich das Ende des Klinikbetriebs mitverfolgt. Im Frühjahr 2011 wurden die letzten Patienten zum Standort der heutigen Euregio-Klinik an der Albert-Schweitzer-Straße verlegt. Umso glücklicher ist sie, dass das Haus erhalten blieb und nun in Form des Pflegezentrums fortbesteht. Auch freut es die gläubige Katholikin, dass es damit erstmals eine Senioreneinrichtung in katholischer Trägerschaft in der Stadt gibt. Die Religion ist ihr seit jeher wichtig: "Ich bin im Krieg aufgewachsen", erzählt sie. "Da gab es nichts außer Beten, Hoffen und Glauben."

Nun lebt sie in einem hellen Einzelzimmer mit geräumigem Bad. Alle 15 Zimmer pro Etage sind derartig ausgestattet und für die Einzelbelegung bestimmt. In jedem der vier Stockwerke bilden die Bewohner eine Hausgemeinschaft und beteiligen sich aktiv am täglichen Miteinander.

Viele Angehörige haben Maria Schleper bei ihrem Einzug begleitet. Nun freut sie sich auf eine gute weitere Zeit - in neuer Umgebung, aber in einem vertrauten Haus.