Cloppenburg-Stapelfeld,
08.02.2006. „Mehr Betroffene müssen früher ins Suchthilfesystem“. So lautete
eine zentrale Forderung desGeschäftsführers der Deutschen Hauptstelle für
Suchtfragen in Hamm, Rolf
Hüllinghorst
, am Mittwoch,
8. Februar, in Cloppenburg-Stapelfeld. Lediglich zehn Prozent derer, die es
bräuchten, kämen in Einrichtungen der Suchthilfe. Wichtig sei ebenfalls, „dass
die Suchtversorgung in der Region stattfindet“.
Aus der Gruppe der 18- bis 69-jährigen Deutschen praktizierten 10,4 Millionen
ein „riskantes Trinkverhalten“. Wiederum 1,7 Millionen Männer und Frauen aus
dieser Gruppe würden Alkohol „auf eine schädliche Weise“ konsumieren. 1,7
Millionen der 18- bis 69-Jährigen sind alkoholabhängig, sagte der Suchtexperte
beim zweiten niedersächsischen Caritas-Suchthilfetag zum Thema „Menschen mit
substanzbezogenen Störungen zwischen Psychiatrie und Suchthilfe“.
Grundsätzlich seien Suchterkrankungen häufig in der Schicht der sozial
Schwächeren festzustellen, beschrieb
Hüllinghorst
.
Problematisch sei zudem, dass Suchtkranke häufig wiederum abhängige Kinder
hätten, sagte
Hüllinghorst
. „Das ist ein Kreislauf,
der schwer zu durchbrechen ist“.
Schwierigere Bedingungen hätten Arbeitslose, die eine Entziehung machen. Ihnen
fehlten Anerkennung ebenso wie ein strukturierter Tagesablauf. Die Forderung
Hüllinghorsts
: „Jedem Arbeitslosen einen
so
genannten
1-Euro-Job anbieten.“ Das könne helfen.
Dass die Wege in der Suchthilfe kürzer werden müssen, forderte der Chefarzt der
Neuenkirchener
Suchtklinik St. Marienstift
Dammer
Berge, Dr. Egbert Herrmann. Antragstellungen dauerten nach wie vor zu lange.
Patienten kämen häufig zu spät oder gar nicht in die Behandlung. Die klassische
Trennung zwischen Psychiatrie und Suchthilfe führe grundsätzlich nicht mehr zum
Ziel. Oft sei nur schwer festzustellen, ob die Sucht- oder die psychische
Erkrankung die Ursache für die jeweils andere war.
Dass Cannabiskonsum gerade bei jüngeren Menschen häufig zu psychotischen
Erkrankungen führe, beschrieb der Suchthilfereferent des
Diözesancaritasverbandes für das Bistum Osnabrück, Conrad
Tönsing
.
Bei Alkoholkonsum stelle er eine Verharmlosung beispielsweise bei
so
genanntem
„
Flatrate-Trinken
“ fest. Als Motto
gelte: billig, schnell und viel. Gearbeitet werden muss für
Tönsing
im Bereich der „Veränderungsmotivation“: Suchtkranke bräuchten lohnenswerte
Ziele, um aus ihrer Abhängigkeit auszusteigen.
Suchtkranke ändern an ihrer Abhängigkeit am häufigsten etwas durch den Druck
des Arbeitgebers, durch den drohenden Verlust des Führerscheins oder die
Androhung der Ehefrau, ihrer Partner zu verlassen. Das hat der
Suchthilfereferent des Diözesancaritasverbandes Hildesheim, Georg
Hövemann
,
festgestellt.
Ziel der zweitägigen Veranstaltung ist es, „die Systeme Suchthilfe und
Psychiatrie näher zusammen zu bringen“, beschrieb der Suchthilfereferent des
Landes-Caritasverbandes für Oldenburg, Josef
Wolking
.
60 bis 80 Prozent der Suchtkranken haben nach seinen Worten auch eine
psychische Erkrankung.
Innerhalb der Caritas Niedersachsens gibt es im Bereich der Sucht und
Psychiatrie 40 Einrichtungen mit rund 1400 stationären Plätzen und rund 1100
Mitarbeitern.
Weiter Unterlagen zur Fachtagung finden Sie hier:
http://www.lcv-oldenburg.de/24005.html