Vechta. Kritik an der Bundesagentur für Arbeit sowie örtlichen Stellen am Umgang mit arbeitslosen Suchtkranken hat der Vorsitzende der Caritas-Bundesarbeitsgemeinschaft „Integration durch Arbeit (IDA)“, Heinz-Josef Kessmann, aus Münster geäußert. „Was wir für diese Leute haben, ist ALG II und Zusatzjobs“, sagte er im Rahmen der 3. Norddeutschen Suchthilfetagung am Donnerstag, 7.2., in Cloppenburg-Stapelfeld. Dadurch komme es kaum zu einer wirklichen Integration durch Arbeit.
IDA fordere daher ein besseres Fallmanagement sowie die Möglichkeit länger währender Förderung und Begleitung. Hilfreich seien darüber hinaus „langfristige Kombilohnmöglichkeiten“, machte Kessmann vor 110 Fachleuten aus ganz Niedersachsen klar.
Wenig förderlich sei es, suchtkranke Arbeitslose ohne Einzelfallprüfung in Maßnahmen zu vermitteln, ergänzte der Vechtaer Caritas-Suchthilfereferent Josef Wolking. Frustrationserlebnisse verschlimmerten die Abhängigkeit nur.
Nach Auskunft des Geschäftsführers der Landesstelle für Suchtfragen, Dr. Manfred Rabes, gibt es in Niedersachsen 360.000 Suchtkranke. 160.000 von ihnen seien alkoholabhängig, rund 140.000 von Medikamenten wie beispielsweise Valium. Zwischen 13.000 und 26.000 konsumierten harte und illegale Drogen, etwa 40.000 Cannabis.
Während die Arbeitslosenquoten in Niedersachsen im letzten Jahr 8,6 betragen habe, hätte sie unter allen Suchtkranken bei 20 Prozent gelegen.
Dass arbeitslose Suchtkranke ein höheres Rückfallrisiko als Abhängigkeitskranke im Erwerbsleben haben, berichtete der Frankfurter Professor Dr. Dieter Henkel. „Sie werden häufiger, gravierender und früher rückfällig als Menschen in Arbeit.“ Seine Forderung: Angebote der Suchthilfe mit denen für Arbeit weit stärker zu verzahnen. Denn so Henkel: „Einen Arbeitsplatz mit einem Suchtproblem zu bekommen, ist extrem schwierig.“
Dass die alle zwei Jahre stattfindende Suchthilfetagung der Caritas „zum Pflichtprogramm der Kirche und nicht zur Kür gehört“, betonte der Hildesheimer Weihbischof Hans-Georg Koitz in seinem Grußwort. Koitz: „Glaube ohne gelebte Caritas ist hohl.“
Kurzfristig abgesagt hatte die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing. Ihr Grußwort wurde verlesen.
Dietmar Kattinger, Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel. 04441/8707-640