Petra Mackroth, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay, Katharina Schulz und Franz Loth (von links) diskutieren mit Moderator Thomas Uhlen zum Thema Generationengerechtigkeit.
"Die Europäische Wertegemeinschaft ist zu einer reinen Währungsgemeinschaft verkommen," kritisiert Diakon Dr. Gerrit Schulte das Verhalten der EU in der Flüchtlingskrise. Der Vorsitzende des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück e.V (DiCV) wurde auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des DiCV in Neuenkirchen noch deutlicher: "Vom christlichen Abendland ist nicht viel mehr übrig geblieben als eine Tarnkappe des Egoismus‘ europäischen Wohlstands." Nötig sei stattdessen eine Besinnung auf das, was die Flüchtlinge bräuchten: "Wir müssen Fluchtursachen bekämpfen, nicht Flüchtlinge."
Schulte wandte sich zugleich gegen die diskutierte Einschränkung des Familienzuzugs: "Das wird nur zu illegaler Einwanderung führen." Er forderte alle kirchlichen und gesellschaftlichen Ebenen auf, Fremdenfeindlichkeit und der wachsenden rechtsradikalen Gewalt gegen Flüchtlinge mutig entgegen zu treten.
"Wettbewerb über Qualität, nicht über Kosten!"
Caritasdirektor Franz Loth beklagte gegenüber den Caritas-Mitgliedern erneut die schwierige Situation der niedersächsischen Altenpflege: "Es kann nicht sein, dass die niedersächsischen Altenpflegerinnen bundesweit ganz hinten stehen, wenn es um das Gehalt geht. Es besteht dringender Handlungsbedarf, weil der Wettbewerb in der Altenhilfe nicht über die Personalkosten betrieben werden darf."
Loth unterstrich, dass in Caritaseinrichtungen bereits das Einstiegsgehalt mehr
als 10% über dem niedersächsischen Durchschnittsgehalt liegt, da die Mitarbeitenden nach den bundesweit geltenden Allgemeinen Vertragsrichtlinien (AVR) der Caritas bezahlt werden.
Süssmuth: Nicht nach Überforderung, lieber nach Unterforderung fragen
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung diskutierte das "Forum Caritas" zu "Generationengerechtigkeit - Thema Familie". Prominentester Gast der Diskussionsrunde war die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Die renommierte Politikerin hatte ein Bündel von Gedanken und Anmerkungen mit nach Neuenkirchen gebracht. Eines ihrer Anliegen: "Es ist zwar wichtig, dass wir Überforderungen vermeiden, aber ich möchte Sie lieber ermuntern, die Frage nach der Unterforderung zu stellen. Je mehr wir die Anforderung an uns zurücknehmen, desto weniger werden wir bewältigen können."
Konsequent wandte sich die 78jährige Politikerin daher angesichts der demografischen Herausforderungen an die ältere Generation: "Die Grundhaltung der Älteren muss lauten: Was kann ich noch leisten?"
"Mittlere Generation ist die geforderte Generation"
Petra Mackroth, Leiterin der Abteilung Familie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, beleuchtete die Rolle der Familie, der sie eine zentrale Funktion zuerkennt: "Je stärker die Familie, desto stärker ist der Zusammenhalt in der Gesellschaft." In 50% der deutschen Haushalte finde Fürsorge für Kinder oder Senioren statt, so Frau Mackroth. Naheliegend sei daher, dass die mittlere Generation auch die geforderte Generation sei. Politik müsse konsequent darauf ausgerichtet werden, was diese Generation brauche: "Zeit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Möglichkeit, Partnerschaft zu leben."
Diesen Wunsch bestätigten in einer anschließenden Podiumsdiskussion Eva Böwer und Katharina Schulz, die beide berufstätige Mütter sind.
Zustimmung fand die Beobachtung von Caritasdirektor Franz Loth: "Das Verhältnis zwischen den Generationen ist so gut wie noch nie. Das ist ein Pfund, auf das wir setzen können!"