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Pressemitteilung

Der Start ins Erwachsenenleben darf nicht zum Armutsrisiko werden

Berlin, 16.10.2026. Der Staat darf junge Menschen beim Übergang in die Volljährigkeit nicht in Armut und Obdachlosigkeit entlassen. Mit diesem Statement starten die bundesweiten Caritas-Armutswochen

Erschienen am:

16.10.2026

  • Beschreibung
Beschreibung

Caritas, SkF und SKM fordern: Jugendhilfe muss beim Übergang in Volljährigkeit erhalten bleiben - Gesetzliche Regelungen verlässlich umsetzen

Berlin, 16.10.2026. Der Staat darf junge Menschen beim Übergang in die Volljährigkeit nicht in Armut und Obdachlosigkeit entlassen. Mit diesem Statement starten die bundesweiten Caritas-Armutswochen. Neun junge, von Armut betroffene Menschen haben zum Start heute in Berlin im Deutschen Bundestag mit den Referent:innen Undine Winkels und Max Grösbrink im Bundesfamilienministerium und im Bundeskanzleramt mit Dr. Hannah Schepers, Referatsleiterin für dieKommunikation mit Kirche und Caritas und weiteren Mitarbeitenden, über ihre Erfahrungen, Nöte und Erwartungen gesprochen.

Der Deutsche Caritasverband (DCV), der SKM Bundesverband (SKM) sowie der SkF Gesamtverein (SkF), haben die Begegnungen ermöglicht. Sie fordern dringend, den § 41 SGB VIII in seiner jetzigen Form zu erhalten und die bestehenden Rechtsansprüche konsequent umzusetzen.

Gerade weil die aktuellen Reformdiskussionen zur Kinder- und Jugendhilfe- Strukturreform maßgeblich von Kostendruck dominiert sind, braucht es den sorgsamen Umgang mit bestehenden Rechtsansprüchen junger Volljähriger. Die Verzahnung von sozialer Infrastruktur und individuellen Unterstützungsbedarfen ist notwendig, um den Weg in ein selbstbestimmtes Erwachsenwerden zu begleiten.

Bavin, zum Beispiel, besucht die dreizehnte Klasse der gymnasialen Oberstufe. 2025 hatte er kein Zuhause und lebte ein Jahr lang in der Notschlafstelle SleepIn für obdachlose Jugendliche und junge Erwachsene, ein Angebot des SKFM Düsseldorf und des Berufsbildungszentrums der AWO Düsseldorf: "Gerade während meiner Klausurenphase war das extrem belastend, nicht zu wissen, wo ich am nächsten Tag schlafen und lernen kann. Meine Schulausbildung abzubrechen, um Geldzu verdienen, kommt für mich nicht infrage. Nächstes Jahr will ich mein Abitur machen." Heute hat Bavin einen Platz im Betreutem Wohnen.

Sophie Westhelle, Mitarbeiterin der Notschlafstelle SleepIn des SKFM Düsseldorf.  "Notschlafstellen wie das SleepIn sollten eigentlich nur kurzfristige Überlebenshilfe leisten. Doch immer häufiger werden sie zur letzten Zuflucht für junge Menschen, die aus der Jugendhilfe herausfallen und plötzlich vor dem Nichts stehen."

Lea Lahr, Einrichtungsleiterin einer Einrichtung für wohnungslose junge Männer bei der Caritas Bonn "Wir haben 19 Plätze, aktuell stehen jedoch 24 junge Männer auf der Warteliste. Das zeigt, wie viele junge Menschen von Armut und fehlendem bezahlbarem Wohnraum betroffen sind."

In der Praxis erleben insbesondere junge Frauen und Männer in prekären Lebenssituationen immer wieder Brüche. Gerade beim Übergang von der Jugendhilfe in die Selbstständigkeit als Erwachsene entstehen solche Brüche.

Zuständigkeiten zwischen Jugendamt, Jobcenter, Ausbildungsförderung und anderen Leistungssystemen sind nicht immer klar. Fachkräfte wechseln, Stellen bleiben unbesetzt und gewachsene Beziehungen zu den jungen Menschen können abbrechen.

Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: "Der Start ins Berufsleben ist eine entscheidende Weichenstellung im Lebenslauf. Jugendliche ohne familiären Rückhalt brauchen besondere Unterstützung gerade auch in dieser Phase. Es darf nicht sein, dass junge Menschen nach Jahren der Jugendhilfe genau in diesem kritischen Lebensabschnitt auf sich allein gestellt sind.  Wer Armut von morgen vermeiden will, darf nicht aus kurzfristigen Einsparüberlegungen das Engagement der Jugendhilfe im entscheidenden Moment abbrechen lassen."

Wohnungslosigkeit verhindern

Der angespannte Wohnungsmarkt trifft gerade junge Menschen ohne finanzielle und familiäre Unterstützung besonders schwer. Im schlimmsten Fall droht beim Auszug aus einer Jugendhilfeeinrichtung Wohnungs- oder Obdachlosigkeit. Bund, Länder und Kommunen müssen gezielt bezahlbaren Wohnraum für benachteiligte junge Menschen schaffen. Notwendig sind Förderprogramme, die auch sozialpädagogisch begleitete Wohnformen ermöglichen und Wohnungslosigkeit frühzeitig verhindern.

"Mittlerweile stellt der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in vielen Fällen die Erfolge der Jugendhilfe in Frage. Wenn es keinen geeigneten Wohnraum gibt, und junge Menschen oder in manchen Fällen sogar ganze Familien in Notunterkünfte müssen und obdachlos werden, wird es am Ende für den Staat teurer, als wenn Übergänge aus der Jugendhilfe ins selbstständige Leben gut begleitet und unterstützt werden," betont Yvonne Fritz, Vorständin SkF Gesamtverein

Bildungschancen hängen zu stark vom Elternhaus ab

Armut bedeutet für junge Menschen weit mehr als fehlendes Geld. Sie kann Bildungschancen, psychisches Wohlbefinden und gesellschaftliche Teilhabe beeinträchtigen. Wer sich Mobilität, Freizeitaktivitäten, gesunde Ernährung oder die eigene Wohnung nicht leisten kann, hat schlechtere Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start ins Erwachsenenleben.

Auch beim Bildungssystem müssen Benachteiligungen abgebaut und junge Menschen besser auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden. Hier ist eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern dringend notwendig, um lebenspraktische Kompetenzen wie Finanzwissen, Wohnungssuche und den Umgang mit Behörden stärker in Bildungsangeboten zu verankern.

"Junge Menschen mit Armutserfahrungen wissen, was sie brauchen. Nicht das vorhandene Angebot darf entscheiden, sondern der konkrete Bedarf. Beteiligung droht sonst zur Formsache zu werden. Wer junge Menschen als aktive Mitgestalter unserer Demokratie stärken will, muss ihnen zuhören, echte Mitbestimmung ermöglichen und passende Hilfen bereitstellen. Die geplanten Kinder- und Jugendhilfestrukturreformen müssen sich schlussendlich daran messen lassen, ob die geforderten Bedarfe junger Menschen gestärkt werden - gerade derjenigen, die in Armut leben", betont SKM-Generalsekretär Stephan Buttgereit.

Das junge Erwachsene besonders häufig von Armut betroffen sind, zeigen aktuelle Zahlen. Besonders betroffen sind unter anderem Kinder in Alleinerziehenden- und Mehrkindfamilien sowie junge Menschen mit Migrationsgeschichte.

Dies verdeutlicht auch der Monitor Jugendarmut der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS): Monitor Jugendarmut - Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) e.V.

Danach war 2023 jede:r Vierte zwischen 18 und 24 Jahren in Deutschland von Armut bedroht. Das entspricht einer Armutsgefährdungsquote von 25 %. Bei den unter 18-Jährigen liegt die Quote bei 20,7 %, sodass mehr als jede:r Fünfte armutsgefährdet ist.

Wir dürfen als Gesellschaft nicht zulassen, dass die Generation von morgen bereits heute abgehängt wird.

Caritas-Armutswochen

Der Deutsche Caritasverband, der SkF Gesamtverein und der SKM Bundesverband rufen jedes Jahr zu den Caritas-Armutswochen auf. Sie beginnen in jedem Jahr am 17. Oktober mit dem Internationalen Tag für die Beseitigung der Armut und enden am vom Papst ausgerufenen Welttag der Armen, im Jahr 2026 ist das der 15. November 2026.

In diesen Aktionswochen gegen Armut finden in vielen Ortsverbänden von Caritas, SkF und SKM bundesweit Veranstaltungen und Aktionen statt, die auf das Thema Armut und die Situation der Menschen in Notlagen aufmerksam machen sollen. 

Der Deutsche Caritasverband

Der Deutsche Caritasverband engagiert sich seit über 125 Jahren für Menschen in Not. Mit bundesweit 770.000 Mitarbeitenden, 500.000 ehrenamtlich Engagiertenund 25.000 Einrichtungen und Diensten unterstützt die Caritas jährlich 13 Millionen Menschen. Er ist weltweit mit mehr als 600 Projekten in 77 Ländern mit lokalen Caritas-Organisationen und weiteren Partnerorganisationen für Menschen in existenziellen Krisen aktiv.

Der SkF Gesamtverein

Der SkF unterstützt mit rund 7.500 Mitgliedern und 10.000 Ehrenamtlichen sowie über 10.000 beruflichen Mitarbeiter:innen in bundesweit 120 Ortsvereinen Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien, die in ihrer aktuellen Lebenssituation auf Beratung oder Hilfe angewiesen sind.

Der SKM Bundesverband

Der 1912 gegründete SKM Bundesverband unterstützt mit seinen rund 100 Mitgliedsvereinen Menschen in materieller und psychosozialer Not. Die Hilfe richtet sich unter anderem an wohnungslos und straffällig gewordene Menschen mit ihren Angehörigen. Weitere Schwerpunkte liegen in der Rechtlichen Betreuung und der Jungen-, Väter- und Männerarbeit.

Pressekontakte

Deutscher Caritasverband
Mechthild Greten
Mobiltelefon: 01517243728, E-Mail: mechthild.greten@caritas.de

SKM Bundesverband
Constanze Frowein, Mobiltelefon: 0178 2320201, E-Mail: frowein@skmev.de

Martina Züger, Mobiltelefon 016317684 43, E-Mail: zueger@skmev.de

SkF Gesamtverein
Sabine Denninghoff
Telefon: 0231 557026-37, denninghoff@skf-zentrale.de



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