Aktuelles/September 2017

Osnabrück

Teilhabe Ma(h)l anders

Teilhabe Mahl anders2

Ma(h)l einfach so: zusammenkommen, kennenlernen, diskutieren. Anlässlich der Bundestagswahlen 2017 boten die Vertreter der AG Behindertenhilfe im Stadt-und Landkreis Osnabrück mit der Veranstaltung "Teilhabe Ma(h)l anders!" einen Rahmen, bei dem Menschen mit Behinderung in kurzen moderierten Dialogen mit den BundestagskandidatInnen der Region ins Gespräch kamen. Guido Uhl (Sprecher der AG Behindertenhilfe) begrüßte die über 100 geladenen Gäste im Foyer des Osnabrücker Theaters und betonte, dass es an diesem Abend vor allem darum ginge, dass Menschen mit Behinderung Themen, die sie bewegen, ansprechen können ­- ganz nach dem Motto "nicht über uns ohne uns reden". Ein vielversprechender Einstieg für den Abend!

Bei musikalischer Begleitung von Mathis&Farina und einem kleinen Mahl kamen die Gäste dann schnell und zwanglos ins Gespräch. Das Moderatoren-Duo Silke Schawe (Heilpädagogische Hilfe Osnabrück) und Dr. Cornelia Kammann (Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V.) führte im Anschluss durch die Podiumsdiskussionen. Zu den Themen Freizeit, Arbeit, Politik und Wohnen sprachen Menschen mit Behinderung sehr konkrete (Lebens)-Situationen an und traten mit den BundestagskandidatInnen dazu direkt in Dialog.

Während der ersten Diskussionsrunde wurde deutlich, dass speziell die Freizeitgestaltung für Menschen mit Behinderung oftmals eine Herausforderung ist. "Ich wünsche mir, dass man als Mensch mit Behinderung einfach mal spontan sein kann, was die Freizeit betrifft. Kurzfristig  mal einen Freund in Hamburg besuchen, das geht für mich nicht", berichtet Tobias Daun (beratendes Vorstandsmitglied HHO e.V.). Das Thema Arbeit bildete den inhaltlichen Schwerpunkt des zweiten Austausches. Herr Glaser, der durch die Begleitung durch das Theresienhaus der Caritas in Glandorf wieder zu Selbstbewusstsein gefunden hat, schilderte, wie gut ihm die Anstellung bei der Kirchengemeinde Glandorf tut. Besonders das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, stärke ihn. Von Seiten seines Arbeitgebers bestätigte Herr Schmidt seine  guten Leistungen: "Wir sind so zufrieden, dass wir uns entschieden haben,  einen weiteren Arbeitsplatz anzubieten." Auch wenn viele hindernde Faktoren genannt wurden, machte Herr Schmidt allen Mut: "Einfach mal machen. Und mit einer guten Begleitung durch die Profis klappt das dann auch!" Flexiblere Möglichkeiten in einem inklusiven Arbeitsmarkt und auch die bisher nur zweijährige Berufsbildung für einen großen Teil von Menschen mit Behinderung wurden zudem diskutiert.

Kathi Ender (HHO Beauftragte für Gebärdensprache und Gehörlosenkultur), wies im Podium "Politik" auf die Problematik kommunikativer Barrieren hin. Eine Teilhabe im politischen Geschehen wäre für sie nur mit Hilfe eines Gebärdendolmetschers möglich. "Da stellt sich die Frage der Finanzierung der Gebärdendolmetscher", so Kathi Ender. "Inklusion für Gehörlose wäre für mich aber, wenn alle Menschen Gebärdensprache können", führt Kathi Ender weiter aus. Schließlich stellten in der Diskussionsrunde zum Thema "Wohnen" zwei junge Männer des inklusiven Wohnprojektes "WirQuartier" heraus, dass inklusiver und barrierefreier Wohnraum in Osnabrück möglich und nötig ist. "Mir war immer klar, dass ich einmal von Zuhause ausziehen möchte, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Das WirQuartier hat mir gut getan für mein Selbstbewusstsein", erklärt Lars Backhaus (Podiumsteilnehmer und Bewohner im WirQuartier).

Das Fazit am Ende der dreistündigen Veranstaltung war äußerst positiv: Das "Teilhabe Ma(h)l anders!" ermöglichte Begegnungen auf Augenhöhe und einen direkten Austausch zwischen Menschen mit Behinderung und den BundestagskandidatInnen. Die Teilnehmenden aber auch die Organisatoren der HpH Bersenbrück, Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V.,  Arbeiterwohlfahrt Trialog, AWO Kinder, Jugend und Familie, Osnabrücker Verein, Autismus Osnabrück e.V. und Heilpädagogische Hilfe Osnabrück. waren gleichermaßen zufrieden. "Oft fehlt den Politikern der Praxisbezug mit Menschen mit Behinderung. Die Veranstaltung war eine gute Möglichkeit, Ihnen einen kleinen Anstoß zu geben", resümierte Tobias Daun den Abend.