Aktuelles / August 2019

Osnabrück / Ijsselmeer

Highlights für den Alltag

Segeltörn 2Neue Ufer im Blick und einfach mal fallen lassen. Ehemalige Suchtkranke genießen einen unbeschwerten Segeltörn.

Manchmal ist es für Außenstehende eine  Kleinigkeit, für die Betroffenen jedoch ein gewaltiger Schritt über die eigene Hemmschwelle. Thomas ist schweigsam, zieht sich lieber zurück und fühlt sich in Gruppen nicht wohl. Er ist ein Teilnehmer von insgesamt 18 jungen suchtkranken Menschen, die Ende Juli auf dem Ijsselmeer einen Segeltörn gemacht haben. Thomas hat eine Aufgabe übernommen: Er macht Tomatenbutter. Christiane Westerveld vom Betreuten Wohnen der Caritas  betreut den Segeltörn. Sie weiß, wie viel Überwindung Thomas die Frage nach dem Rezept für die Tomatenbutter gekostet haben muss. Für den Rest der Reise kümmert er sich um die Zubereitung der Tomatenbutter.

"In neue Gefilde aufbrechen, Highligts für den Alltag setzen und somit Alternativen zu einem Leben ohne Sucht anzubieten - das sind die Ziele dieser Reise", erklärt Christiane Westerveld, die seit 15 Jahren die Segeltörns betreut. Organisiert wurde die Tour von der Suchthilfe des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück, dem Kreuzbund Osnabrück und der niederländischen Suchtselbsthilfe Intact von Tactus Verslavingszorg.

Fünf Tage haben Teilnehmende aus beiden Ländern die Weite der See genossen, sich den Wind um die Nase wehen lassen und Energie für den drogenfreien Alltag getankt. Und natürlich an Deck fleißig mitgeholfen. "Die  Teilnehmer genießen die ungewöhnlichen Tätigkeiten, die als Arbeiten auf einem Segeltörn anfallen. Für viele von ihnen ist es erstmalig ein unbeschwerter Urlaub und eine willkommene Abwechslung des Alltags", fasst Westerveld zusammen. "Es ist spannend zu beobachten, wie einseitig die Kommunikation zu Beginn der Reise ist und wie lebhaft die Teilnehmer zum Ende der Reise zwischen den Sprachen hin und her wechseln, um sich zu verständigen. Das gemeinsame Segeln, Wenden, Halsen und das An- und Ablegen an neuen Ufern - im bildlichen wie übertragenen Sinne - ist eine positive Erfahrung unter Gleichgesinnten und eine tolle Motivation für ein Leben ohne Sucht."

Der Segeltörn ist ein Beitrag, um die in der Selbsthilfe aktiven jungen Menschen zu fördern und für ein suchtmittelfreies Leben zu stärken. Was für Außenstehende eine Kleinigkeit ist, ist in diesem Fall für Thomas ein gewaltiger Schritt: Er übernahm auch den Grill und versorgte die ganze Gruppe.

Die Segler steuerten in den fünf Tagen auf dem Ijsselmeer die Häfen Muiden, Enkhuizen, Workum, Stavoren und Medemblik an.  Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer kommen je zur Hälfte aus Deutschland und den Niederlanden.