Hilfe für Obdachlose in Südrussland

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Menschen, die längere Zeit auf der Straße leben, verlieren immer mehr die Motivation und die Kraft, sich  aus dieser ausweglosen Situation zu befreien. Auch wenn ihnen Hilfe angeboten wird, bleiben sie inaktiv, es fehlt ihnen das konkrete Ziel und eine Stelle, an die sie sich wenden können.

In Saratov und Wolgograd liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Rehabilitation und Reintegration in die Gesellschaft.

In Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen, z. B. dem Kirov Sozialhilfezentrum  in Wolgograd und dem "Öffentlichen Zentrum für soziale  und berufliche Integration" in Saratov, führen Caritasmitarbeiter verschieden Rehabilitationsmaßnahmen, z. B.  auf Basis der Kunsttherapie durch.

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Die Kontakt zu den obdachlos gewordenen Menschen beginnt mit der Versorgung auf der Straße: Tee, Suppe, Medikamente, Wundversorgung und Kleidung. Im günstigen Fall kann ein Platz in einem Heim organisiert werden. Doch diese Plätze sind sehr begrenzt, so gibt es für die Millionenstadt Wolgograd gerade mal 100 Heimplätze. Wenn die obdachlosen Menschen neue Dokumente erhalten haben, müssen sie das Heim nach 6 Monaten verlassen. Oft tauschen sie ihre neuen Papiere gleich wieder gegen Alkohol oder Drogen und ein Zurück in die Gesellschaft wird immer unwahrscheinlicher.

Mit künstlerischen und kreativen Tätigkeiten versuchen  die Psychologen  und Therapeuten der Caritas das Selbstwertgefühl und Vertrauen zu sich  in andere Menschen wieder herzustellen. In Rollenspielen, Diskussionen und mit audio-visuellen Methoden beginnen die Patienten ihre Traumata zu überwinden und entwickeln neues Interesse an ihrem Umfeld. Gelingt es auch den Kontakt zu Verwandten wieder herzustellen, ist schon ein großer Schritt zu einer möglichen Reintegration in die Gesellschaft geschafft.

Doch gerade in der Gesellschaft  ist viel Arbeit zu leisten, um auf die Not der Obdachlosigkeit aufmerksam zu machen. So ist die Unterbringung im Stadtkrankenhaus und in der Tuberkulosefürsorgestelle in Wolgograd  keine Selbstverständlichkeit und gelingt nur durch gute Zusammenarbeit  zwischen der Caritas und den öffentlichen Einrichtungen.

In zahlreichen Ausstellungen, Seminaren, runden Tischen und Internetbeiträgen möchten  die Mitarbeiter der Caritas die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Sie planen weitere  Unterstützung für ihre Arbeit mit obdachlosen Menschen zu bekommen,  in Form von Sachspenden oder auch durch die Unterstützung ehrenamtlicher Helfer.

Ausstellungen wie  "Artisten der  Straße", "Unter dem Himmel der Stadt" und "The Outsiders" in öffentlichen Museen in Saratov, dienen dazu,  Obdachlose  als "Menschen" wahrzunehmen und fordern dazu auf, ihre  Not zu erkennen.

"Im November wurden im Rahmen von Veranstaltungen der Wiedereingliederungsgruppen verschiedene Themen diskutiert, wie etwa "Barmherzigkeit", "Tod und Leben", "Meine Zukunft in 10 Jahren".

Das Thema "Tod" kam in den Kursen spontan nach dem unerwarteten Schlaganfalltod der Teilnehmerin V. zur Sprache. Wir sprachen darüber, dass auch mit dem Tod eine Spur verbleibt, die jeder Mensch von sich hinterlässt; und zwar eine gute und nützliche Spur, gewissermaßen einen Acker, auf welchem der Verstorbene im Gedächtnis anderer Menschen auf immer fortleben wird. 

Im Rahmen der Arbeitsgruppe "Meine Zukunft in 10 Jahren" führten die Teilnehmer Analysearbeit unter dem Aspekt der Selbsteinschätzung und  zum Aufbau von Zukunftszielen durch. Sie sollten darüber nachdenken, was nötig sein würde, um  in 10 Jahren einen stabilen Lebenssinn, Selbstwertgefühl und ein Lebensziel zu erreichen.

Im letzten Halbjahr begann Valentina, eine Projektmitarbeiterin, außer dem "Musikwohnzimmer" noch eine Gruppe für Kinotherapie zu leiten. Das ist eine offene Gruppe, zu der alle obdachlosen Übernachtungsgäste, die dies wünschen, kommen können. Einmal wöchentlich sehen sie Kinofilme und besprechen diese. Die Gruppe besuchen regelmäßig über 20 Menschen."

Aus dem Projektbericht der Caritas Wolgograd .