Aktuelles / Juni 2018

Osnabrück

Großes Netz fängt Menschen in Not auf

Russlandhilfe 2Bischof Clemens Pickel aus dem russischen Saratov (lks) und Ottmar Steffan feierten mit mehr als 200 Gästen den 20. Geburtstag der Russlandhilfe.Caritas/Roland Knillmann

 "Es ist ein großes Netz entstanden, das Menschen in Not auffängt. Alle, die hier sind, haben damit etwas zu tun!" Mit diesen Worten dankte Bischof Clemens Pickel aus dem russischen Saratov den gut 220 Geburtstagsgästen, die im Kloster Nette das 20jährige Bestehen der Caritas-Russlandhilfe feierten.
Vor genau 20 Jahren hatten Ottmar Steffan vom Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V. und der damalige Weihbischof Pickel erstmals Kontakt.
Seither ist viel geschehen, um bedürftigen Menschen im Wolga-Bistum in Südrussland, in Sibirien und in St. Petersburg zu helfen. Steffan und die Caritas-Russlandhilfe haben maßgeblich dazu beigetragen, die Caritasarbeit in Südrussland weiterzuentwickeln.
Eines der ersten Projekte war die "Kuh für Marx." Bedürftige Familien erhalten das Geld für eine Kuh, den Bau eines einfachen Stalls und für Futter. Damit können sie die Grundlage für ihre Selbstversorgung legen. Die Spende ist mit einer Bedingung verbunden: Das erste Kälbchen wird an eine andere bedürftige Familie weiter gegeben. Das Projekt ist sehr erfolgreich: Mittlerweile sind mehr als 700 Kühe aus Spendenmitteln finanziert worden.
Viele weitere Arbeitsbereiche hinzugekommen: Mutter-Kind-Häuser, Obdachlosenhilfe, Kinderzentren, Häusliche Krankenpflege, Priestern- und Schwesternhilfe sowie die akute Notfallhilfe. Die Vernetzung von Hilfsangeboten sowie Austausch- und Begegnungsprogrammen ergänzen die Projekte vor Ort. Mit der Hauskrankenpflege leistet die Caritas Pionierarbeit - ambulante Hilfe ist im staatlichen Gesundheitssystem Russlands nicht vorgesehen.

Darüber hinaus ist rund um die Russlandhilfe ein großer Kreis an Freunden, Förderern und Ehrenamtlichen aktiv. Die sogenannten Klosterbauer, eine Gruppe ehrenamtlicher Männer, fahren regelmäßig in unterschiedlicher Zusammensetzung für handwerkliche Arbeitseinsätze zu den russischen Partnern. Benannt sind sie nach ihrem ersten Einsatz im Jahr 2001, als sie im russischen Marx beim Klosterbau mithalfen.
Ähnliches gilt für die jüngere Version, die sogenannten Spielplatzbauer: Das sind Jugendliche und junge Erwachsene, die erstmals 2010 in Orsk am Ural einen Spielplatz errichteten und seitdem für weitere Aktionen in Russland waren.
Jedes Jahr fahren im Rahmen des Freiwilligendienstes im Ausland des Bistums Osnabrück junge Menschen für ein Jahr nach Russland, um dort in sozialen Projekten zu arbeiten - ebenfalls koordiniert und begleitet durch Ottmar Steffan.
Angesichts dieser Vielfalt sprach Bischof Pickel von einer Bewegung, die vor 20 Jahren entstanden ist: "Ich meine keine Bewegung wie eine Partei. Es ist eine Bewegung im Herzen entstanden. Da hat Gott angeklopft. Wir sind viele, jeder mit seinen eigenen Talenten. Und alle gehen wir in eine Richtung!"
Ottmar Steffan unterstrich, dass das alles nur in Kooperation möglich ist: "Wir bauen seit 20 Jahren gemeinsam an einem Haus, von beiden Seiten." Und, mit dem Blick auf die zahlreichen Unterstützer, die mit einem Gottesdienst und bei Kaffee und Kuchen den Geburtstag feierten: "Jeder hier hat einen Stein in der Hand, der zu diesem Haus gehört."