Beratung für traumatisierte Flüchtlinge wird ausgeweitet
Viele Geflüchtete haben auf ihrem Weg nach Deutschland Schlimmes erlebt - und brauchen professionelle Hilfe.S. Hofschläger/pixelio.de
Viele Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind und auf ihrer Flucht womöglich schreckliche Dinge erlebt oder gesehen haben, brauchen professionelle Hilfe. Dabei unterstützt sie das Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V. (NTFN), das sein Beratungsangebot in Osnabrück nun ausweitet.
Bereits seit Herbst 2016 bietet das NTFN in Kooperation mit dem Caritasverband für die Diözese Osnabrück eine Sprechstunde in Osnabrück an. Dafür standen bislang die Sozialpädagogin Sandra Steinkühler und eine psychologische Psychotherapeutin als Ansprechpartnerinnen zur Verfügung. Dieses Angebot wird nun ausgebaut: "Wir möchten in Osnabrück ein Kompetenzzentrum errichten, in dem traumatisierte Flüchtlinge vielfältige Hilfen bekommen können", erläutert Karin Loos, NTFN-Geschäftsführerin.
Suche nach Räumen
Das Land Niedersachsen liefert dafür die notwendigen finanziellen Mittel. Die Personalsuche für Sozialpädagogen und Psychotherapeuten läuft - und ebenso die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. "Ideal wären drei bis vier Büroräume", sagt Sandra Steinkühler. Bislang nutzt das NTFN für die Sprechstunden die Räume des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück. Das Kompetenzzentrum benötigt aber mehr Räume, damit zusätzliche Therapie- und Gruppenangebote stattfinden können.
"Am besten zentral, in der Nähe des Osnabrücker Hauptbahnhofs", betont Karin Loos. Die Klientinnen und Klienten kämen im Zweifel schließlich aus dem ganzen Bistum Osnabrück.
Geschichten von Folter und Gewalt
Wie wichtig die Arbeit des NTFN ist, macht Sandra Steinkühler an mehreren Beispielen deutlich, die ihr in der Sprechstunde begegnet sind. Menschen - Erwachsene wie Kinder -,die Angstzustände haben und an Panikattacken leiden, die lustlos und niedergeschlagen sind, die nicht schlafen können und Albträume haben. Geschichten von Folter in libyschen Gefängnissen, von Überfahrten über das Mittelmeer, bei denen die eigene Familie ertrunken ist, von Gewalt, Vergewaltigungen, Verlust.
Die Mitarbeiterin des NTFN hilft bei der Vermittlung eines geeigneten Therapieplatzes und kümmert sich um die Kostenübernahme. Zugleich knüpft sie Kontakte zu Psychotherapeuten, engagiert geschulte Dolmetscher und baut ein Netzwerk zu möglichen Kooperationspartnern in Osnabrück auf.
Angst vor Abschiebung
Seit dem Start des Beratungsangebotes in Osnabrück im Herbst 2016 haben mehr als 90 Betroffene Kontakt zu Sandra Steinkühler aufgenommen und sind in ihre Sprechstunde gekommen. Gut ein Drittel davon kam aus Afghanistan. "Die Angst vor Abschiebung und die ganze Debatte darüber löst bei vielen große Ängste aus", weiß die Sozialpädagogin. Die zweitgrößte Gruppe der Klienten kam aus Syrien.
Hinweise für geeignete Räumlichkeiten nimmt Sandra Steinkühler (s.steinkuehler@ntfn.de) gerne entgegen.