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Stand: 07.05.2018

Pressemitteilung

Flüchtlinge integrieren:

Syerin schmiedet Pläne nach Praktikum im Sprachheilkindergarten

Praktikum im SprachheilkindergartenDas Praktikum im Sprachheilkindergarten vom St. Lukas-Heim bestärkte bei der 31-jährigen kurdischen Syrerin Nasha Tago den Wunsch, im sozialen Bereich eine Ausbildung zu starten.Jürgen Eden/St. Lukas-Heim

Papenburg. Viele Jahre bestimmten Krieg und Gewalt das Leben der 31-jährigen syrischen Kurdin Nasha Tago. Vor zwei Jahren kam sie im Rahmen des Familiennachzugs mit ihren beiden Töchtern nach Papenburg. Jetzt blickt die junge Mutter nach vorne, denn nach einem dreiwöchigen Praktikum im Sprachheilkindergarten  vom St. Lukas-Heim steht für sie fest, dass sie sich Anfang des neuen Jahres um einen Platz zur Ausbildung als Sozialassistentin bewerben möchte. 

Mittwochmorgen um 10 Uhr in der Tigergruppe vom Papenburger Sprachheilkindergarten: Gespannt sitzen Dominik, Milena, Simon und Sheila am Tisch und reichen diszipliniert den Würfel in der Runde weiter. Denn sie spielen mit ihrer Betreuerin auf Zeit Nasha das beliebte Gesellschaftsspiel "Mensch ärgere Dich nicht". Dominik befördert eine Spielerfigur von Sheila zurück auf die Anfangsfigur, denn die Punktzahl seines Würfels erlaubt ihm, seine Figur auf Sheilas Fläche zu stellen. Es bleibt trotzdem relativ ruhig. "Das ist der ruhigen und sachlichen Art von Nasha zu verdanken", sagt Theresia Vismann-Többen. Als Leiterin des Sprachheilkindergartens ist sie begeistert von Nasha, denn vor dem Hintergrund des speziellen Förderbedarfs der Kinder zwischen dem 3.und 6. Lebensjahr sind entspannte Rahmenbedingungen Grundvoraussetzung für den Spracherwerb und die Erlangung zusätzlicher sozialer und emotionaler Kompetenzen. Dazu zähle nach Worten von Vismann-Többen auch das Einlassen auf bis dahin noch nicht gekannte Kulturen. Gemeinsam schauten die Kids bereits mit Nasha auf der Landkarte, um zu erfahren, wo sie bisher lebte. Auch selbstgebackene Kekse nach einem syrischen Rezept durften sie bereits probieren. Zum Abschied gab es in der letzten Woche vor Weihnachten noch ein Frühstück, bei dem auch einige syrische Gebäckspezialitäten serviert wurden. "Feiert ihr auch Weihnachten?", wollte ein Kind wissen. "Eigentlich feiern Moslems das nicht", antworte Nasha. Da ihre Familie jedoch nun in Deutschland lebe und auch ihre Kinder nach der Bedeutung der hohen christlichen Feitertage fragen würden, will man nun dieses Fest auch feiern. Gleich nach dem Fest will sie sich dann auf die Bewerbung vorbereiten. Die Grundvoraussetzungen also den Erwerb der deutschen Sprache konnte sie bereits  an der Volkshochschule mit Bravour erfüllen, denn die Sprachkurse der Niveaustufen B1 und B2 hat sie trotz Betreuung und Erziehung ihrer beiden Kinder bereits hinter sich gebracht. Nun strebt sie noch den weiterführenden Sprachkurs C1 an, der nach ihren Worten im Frühjahr 2018 startet. Dieser Abschluss würde sie sogar zur Aufnahme eines Studiums berechtigen. Aber langsam, denn zunächst will sie das Bewerbungsverfahren zur Aufnahme an der zweijährigen Berufsfachschule Sozialassistentin bestehen. Ganz fremd ist ihr die Arbeit in diesem Bereich nicht. Denn in Syrien hatte sie nach eigenen Angaben bereits als Vertretungslehrerin gearbeitet. "Wenn ich an meine Heimat denke, macht mich das sehr traurig. Es könnte dort sehr schön sein", sagt sie. Ihre Kriegserlebnisse versucht sie zu verdrängen. Erst nach einer längeren Zeit spricht sie kurz über einige Kriegserlebnisse. Auch ihre Stadt in Nähe zur türkischen Grenze sei mehrfach bombardiert worden. Menschen wurden dort nach ihren Worten regelrecht abgeschlachtet. Aufgrund der Kampfhandlungen sei das Land verarmt. Für Dinge, die das Leben bereicherten, fehle es in der Bevölkerung an Geld. Ihr Mann musste sein Kosmetikgeschäft aufgrund der prekären Situation schließen. Er arbeitet nun in einem Papenburger Industriebetrieb. Gemeinsam blicken sie nun nach vorne. Denn mit dem Abschluss als Sozialassistentin wird ihr der Weg für weitere Ausbildungsmöglichkeiten in der Pflege bis hin zum Studium geebnet. Die Beschäftigungsaussichten sind vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sehr gut. Denn wenn die Kinder aus den sogenannten Babyboomerjahren in 15 Jahren das Rentenalter erreichen, fehlt es nach derzeitigem Stand an noch mehr Fachkräften im sozialen Bereich.