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Stand: 07.05.2018

Pressemitteilung

Inklusion erfordert neue Strategien in der Suchtprävention

Meppen. Alkohol-, Drogen- oder Internetsucht: Davon können künftig vermehrt auch Menschen mit Behinderungen betroffen sein. Um hier präventiv tätig zu werden, startete das innovative Gesundheitsprojekt "Geistige Behinderung - Problematischer Konsum - (k)ein Thema? Stärkung der Gesundheit, Prävention und Teilhabe für Menschen mit Behinderungen" des Caritasverbandes Emsland im St. Lukas-Heim in Papenburg.

Neue Strategien in der SuchtberatungFoto: Im Haus Vosseberg vom St. Lukas-Heim traf sich erstmals eine Steuerungsgruppe, die im Rahmen eines Modellprojektes Präventionsmaßnahmen von Menschen mit Behinderungen beim Umgang von Suchtmitteln erarbeiten möchte. Foto: Jürgen Eden/Caritasverband EmslandJürgen Eden/St. Lukas-Heim, Caritasverband für den Landkreis Emsland

Inklusion erleichtert Zugang zu Suchtmittel

"Menschen mit Behinderungen wurden in der Vergangenheit oft, aufgrund ihrer stationären Betreuung und Förderung vor negativen Erscheinungen wie beispielsweise Alkohol, Spiel- oder Internetsucht in den Einrichtungen geschützt", erklärt Heinz-Bernhard Mäsker, Geschäftsführer des St. Lukas-Heims bei der Auftaktveranstaltung zum Projektstart. Die Möglichkeit zu mehr Teilhabe und somit mehr Selbstständigkeit im Bereich Leben und Wohnen für Menschen mit Behinderungen sei eine positive Entwicklung, jedoch müsse man nach seinen Worten, den geschützten Rahmen durch vorbeugende Aufklärungsarbeit kompensieren. Der Zugang zu Alkohol, Tabak und weiteren Suchtmitteln ist unter anderem durch das Ambulante Wohnen für die Betroffenen erleichtert worden. Hinzu kommt, dass die eigenen Grenzen oftmals nicht realistisch eingeschätzt werden können und die Selbstreflexion bei Menschen mit Behinderungen nur eingeschränkt möglich ist.

Weiterer Baustein für Gesundheitsregion Emsland 

Dr. Sigrid Kraujuttis, Sozialdezernentin beim Landkreis Emsland, lobte die Ansätze, mit denen das niedersächsische Modellprojekt "Gesundheitsregion Emsland" nun weiter entwickelt werde. Sehr frühzeitig habe man dazu in drei Handlungsfeldern beispielsweise die ärztliche Versorgung im Flächenlandkreis, Hilfen für eine alternde Gesellschaft aber auch die Prävention in den Fokus genommen. "Mit diesem neuen Projekt bekommen wir ein Werkzeug an die Hand, das helfen kann, Suchtkrankheiten zu vermeiden. Wichtig ist, dass wir hier frühzeitig auch die Angehörigen einbinden", begrüßte Dr. Kraujuttis die Initiative. Das Land Niedersachsen beteiligt sich mit 80.000 Euro an diesem Projekt.

Connemann: Initiative sollte auch in anderen Regionen Beachtung finden

"Mit dem Landkreis Emsland, der Gesundheitsregion Emsland, der Fachambulanz Sucht beim Caritasverband Emsland und dem St. Lukas-Heim haben wir hier starke Partner gewinnen können", lobte die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann (CDU) die Initiative während der Auftaktveranstaltung, die nach ihrer Einschätzung auch in anderen Regionen Beachtung finden werde.

Neue Zielgruppe erforderte andere Ansprache 

Oft sei bereits der erste Beratungstermin bei einer Suchtambulanz schwierig, da die Klienten mit Behinderungen in der Beratung die Fragebögen nicht ausfüllen könnten, erklärte Marion Feldmann, Leiterin Fachambulanz Sucht beim Caritasverband. Bei diesem Personenkreis müsse man statt auf professioneller Distanz auf Bindungsarbeit setzen, um erfolgreich zu sein. Die Kooperationspartner sind sich einig, dass Menschen mit Behinderungen ganz anders über das Thema Sucht aufgeklärt werden müssen, beispielsweise über eine einfache Sprache mit Symbolen, die für dieses neue Feld entwickelt werden müssen. Um die Abhängigkeitserkrankung zu vermeiden, ist die Erarbeitung eines passgenauen Präventionskonzeptes geplant.

Zum gesundheitsbewussten Umgang befähigen 

"Wir möchten die Personen dazu befähigen, gesundheitsbewusst mit Suchtmitteln umzugehen. Hierzu möchten wir unser erfolgreiches Selbstkontrolltraining SKOLL weiterentwickeln und weitere Instrumente sowie Methoden einbeziehen", erklärte Feldmann die ersten Schritte des Konzeptes. Zunächst soll nun ein Fragebogen für Mitarbeitende aus der Behindertenhilfe entwickelt werden, um zu ermitteln wie ihre bisherigen Erfahrungen in der Praxis mit diesem Thema sind. Die Befragungsaktion soll im Herbst starten. Nach der Auswertung der Ergebnisse sollen im ersten Quartal des nächsten Jahres konkrete Maßnahmen für ein spezielles Beratungs- und Hilfskonzept erarbeitet werden. Dabei soll es auch um die Schaffung von Fortbildungsangeboten gehen.