Aktuelles / März 2019

Fachklinik Nettetal

Rückblick einer Psychologie-Studentin auf ihr Praktikum

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Als ich mich für ein Praktikum im Rahmen meines Psychologie-Studiums bewarb, entschied ich mich ganz bewusst für die Fachklinik Nettetal. Bislang hatte ich ausschließlich Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und so wollte ich mich nun in einem für mich völlig unbekannten Arbeitsbereich erproben. Ohne genau zu wissen, was mich erwarten würde, war ich gespannt, welche neuen Erfahrungen ich in der psychologischen und therapeutischen Arbeit mit erwachsenen Männern mit Abhängigkeitserkrankungen und teils auch Psychose sammeln kann.

War ich zu Beginn noch recht angespannt und aufgeregt, konnte ich dieses Gefühl jedoch schnell ablegen. Von Anfang an hat mich das Team der Fachklinik sehr herzlich empfangen und in den Arbeitsalltag integriert. So durfte ich in verschiedenen Gruppen- und Einzeltherapie-Sitzungen hospitieren. Dabei konnte ich zum einen unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden in der therapeutischen Arbeit mit den Rehabilitanden, aber auch die jeweiligen Besonderheiten im individuellen Reha-Verlauf und die damit einhergehenden Herausforderungen, die die Arbeit mit den verschiedenen Rehabilitanden mit sich bringt, beobachten. Spannend war für mich neben den intensiven Hausgruppengesprächen auch die konkrete inhaltliche Arbeit in den verschiedenen edukativen und indikativen Gruppen.

In den Gruppen Basiswissen Sucht, Rückfallprophylaxe, Stressbewältigung, Sicherheit finden und in der Psychose+Sucht-Bewältigungsgruppe konnte ich mich mit bedeutsamen psychologischen Themen auseinandersetzen und viel für meinen weiteren Weg mitnehmen. Auch in anderen Arbeitsaspekten wurden Inhalte meines Studiums mit Leben gefüllt. Wo diagnostische Verfahren für mich bislang nur graue Theorie waren, wurden sie durch die praktische Relevanz und nach einer Einarbeitung durch einen der Psychologen plötzlich spannender Arbeitsalltag. Nun war ich in der Lage, die reguläre Testdiagnostik eigenständig auszuwerten und in die einzelnen Berichte einzuarbeiten. 

Als besondere Wertschätzung habe ich empfunden, dass mir zugetraut wurde, eigenständig mit den Rehabilitanden zu arbeiten. So führte ich einige Einzelgespräche mit einem Rehabilitanden zum Thema Stress, insbesondere bezüglich individueller Warnzeichen bei drohender Überlastung und bezüglich der Bewältigung. Auch an der Herausforderung eines Gruppengesprächs in der Gruppe für Psychose und Sucht, in dem Themen wie Suchtdruck und Umgang mit Risikosituationen aufkamen, konnte ich wachsen.

Neben den inhaltlichen Aspekten der Arbeit in der Fachklinik Nettetal hat mir die überschaubare Größe der Einrichtung und die Aufstellung des Teams ausgesprochen gut gefallen. Dies habe ich sowohl für die Rehabilitanden als auch für die Mitarbeiter als sehr wertvoll erlebt. Die Klinik stellt damit einen geschützten Rahmen dar, in dem die Rehabilitanden sich zum einen gut aufgehoben fühlen können ohne eine Überforderung durch große Strukturen zu erleben, zum anderen aber auch mit ihren Themen umso intensiver auseinandersetzen können, da diese durch die Mitarbeiter aktiv in alle Bereiche einbezogen und Änderungsimpulse erprobt werden. Die Zusammenarbeit des Teams habe ich tatsächlich wie die Arbeit eines Uhrwerkes erlebt, bei dem die einzelnen Prozesse gezielt ineinandergreifen. In den acht Wochen im Nettetal hat mir besonders die Arbeit in einem multidisziplinären Team gefallen. So konnte ich den Arbeitsprozess der Fachklinik aus vielfältigen Blickwinkeln kennenlernen.

Hierfür möchte ich mich bei allen Mitarbeitern des Teams ganz herzlich bedanken. Die gemeinsame Zeit mit und bei Euch hat mir sehr gut gefallen, mich für meinen weiteren beruflichen Weg besonders geprägt und wird mir daher in positiver Erinnerung bleiben.