Aktuelles / Januar 2019

Meppen

Sozialer Abstieg durch Sucht kann jeden treffen

Gudrun Warnecke im Beratungsgespr�chGudrun Warnecke arbeitet als Sozialpädagogin, Suchttherapeutin und Gestaltungstherapeutin mit tiefenpsychologischer Ausbildung bereits seit zehn Jahren im Beratungsteam der Caritas.Foto: Jürgen Eden/Caritasverband für den Landkreis Emsland

Die Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation sowie alle anderen beratenden Dienste des Caritasverbandes für den Landkreis Emsland befinden sich nun in Meppen unter einem Dach. Gudrun Warnecke, freut sich über die neuen Räume, die seit dem Jahresbeginn voll genutzt werden können. Damit werden die Wege für Hilfesuchende deutlich kürzer. Die 59-jährige Sozialpädagogin, Suchttherapeutin und Gestaltungstherapeutin mit tiefenpsychologischer Ausbildung gehört seit zehn Jahren zum Beratungsteam der Caritas und gab Einblicke in ihre Arbeit.

Die winterliche Mittagssonne strahlt durch die leicht geöffneten Jalousienstreifen ihres neuen Büros, das sich im 1. Obergeschoss befindet. Ihre Bilder hat sie bereits so auf dem Boden platziert, das der Hausmeister sie nun aufhängen kann. Beim Verfassen eines Entlassungsberichtes für Kostenträger wie beispielsweise dem Rentenversicherungsträger blickt sie einen kurzen Moment aus dem Fenster und reflektiert die gesellschaftliche Bandbreite der Hilfesuchenden. Frau Warnecke ist in der Beratung, als auch in der ambulanten medizinischen Rehabilitation tätig. Ihr Tag fängt um 8.30 Uhr mit ersten Beratungen an. Dazu vereinbart sie Termine. Das geschieht in der Regel innerhalb von fünf Werktagen. Mittwochs bietet sie, wie ihre anderen Kolleg*innen der Fachambulanz auch, von 16.30 bis 18 Uhr eine offene Sprechstunde ohne Terminvereinbarung an. Oft gibt es einen akuten Auslöser bei den Ratsuchenden, der zum Kontakt mit der Fachambulanz führt. Nicht selten sind es nach ihren Worten auch  Angehörige, Freunde oder Bekannte, die das Konsumverhalten ihrer Angehörigen und Kollegen hinterfragen und sie zur Kontaktaufnahme bewegen. Alleine oder aber mit dem Betroffenen wird Rat gesucht.

Niedrigschwellige Angebote

Die Angebote sind niedrigschwellig und setzen beim Ratsuchenden  auch auf das Herstellen von neuen Beziehungen, beispielsweise durch Gruppenangebote. "Wir zeigen im Rahmen dieser Beziehungsarbeit Wohnungslosen, Handwerkern und Akademikern gleichermaßen Wege aus der Sucht auf und ermöglichen damit neue Perspektiven", so Marion Feldmann, Leiterin der Fachambulanz für Suchtprävention und Rehabilitation im Gespräch.

Ein Großteil der Suchtberatung des Caritasverbandes erfasst nach ihren Worten sogenannte substanzbezogene Abhängigkeiten wie beispielsweise Alkohol, Marihuana und Tabletten. "Die Sucht verändert das Leben in den Familien, im Freundeskreis und der Arbeitswelt massiv. Nicht selten droht der soziale Abstieg und das kann jeden treffen", ergänzt Warnecke. Dabei erinnert sie sich an einen Selbständigen mit Hochschulabschluss. Die Anfänge seines sozialen und beruflichen Abstiegs liegen schon einige Jahre zurück. Aufgrund beruflicher Probleme griff er zur Flasche. Mehrere Liter Bier und eine Flasche hochprozentigen Alkohol trank er täglich. Seine Leistungsfähigkeit im Job ließ nach, so dass er seinen Beruf aufgeben musste. Freunde und Bekannte wandten sich ab. Viele Jahre schlug er sich als Wohnungsloser in einer anderen Stadt durch, bis er schließlich über Verwandte den Weg zur Caritas fand. Systematisch arbeitete man gemeinsam die Problemlagen auf. Es folgte ein Entzug und eine Vermittlung zur Schuldnerberatung und letztlich die Durchführung einer ambulanten medizinischen Rehabilitation in der Fachambulanz. Eine Integration in die Arbeitswelt konnte in diesem Fall erreicht werden.

Berufliche Wiedereingliederung

"Die berufliche Wiedereingliederung ist in der Rehabilitation, neben der therapeutischen Aufarbeitung der Suchterkrankung,  ein wichtiges Ziel". Sie macht aber deutlich, dass vor einer möglichen Rehabilitation die Erstberatung steht. Diese Beratungen sind grundsätzlich kostenlos für Ratsuchende. Doch nicht nur Drogen und Alkohol, sondern  auch teure Gewinn- oder Rollenspiele bei denen viel Geld verloren wird, verleiten immer mehr Menschen. Stärker in den Fokus geraten nach ihrer Einschätzung in den kommenden Jahren neue Abhängigkeiten, die durch die vielfältigen Möglichkeiten im Netz hervorgerufen werden. "Wer einen regelmäßigen Zwang verspürt, Meldungen bei Whatsapp, Facebook und Co. abrufen zu müssen, sollte sich hinterfragen, ob es noch ohne geht", ergänzt Feldmann. Die Suchtberatung vom Caritasverband für den Landkreis Emsland befindet sich nun in der Kuhstraße 42 in Meppen, gegenüber der Propsteikirche im neuen Beratungsgebäude. Telefonisch zu erreichen ist die Suchtberatung unter 05931/9842-40 sowie per Email unter sucht.mep@caritas-os.de

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Fachambulanz in Meppen