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Stand: 21.06.2019

Pressemitteilung

Smartphone & Co:

Digitale Kontrolle von Frauen nimmt zu

Offizielle Erhebungen dazu gibt es derzeit noch nicht, doch in den Beratungsgesprächen werde deutlich, dass etwa jede fünfte Frau betroffen ist.  "Zur Überwachung genutzt werden beispielsweise die Messanger-Dienste What´s App, Facebook, SMS- Kurznachrichten oder die Cloud-Funktion vom Kalender im Smartphone. Auch die oft kostenlosen Ortungsdienste nutzen Partner dazu, um den aktuellen Aufenthaltsort und die Aufenthaltsdauer zu ermitteln", stellt Gabriele Middendorf von der Caritas-Beratungsstelle Papenburg fest. Sie ist dort auch für die Beratung und Unterstützung von Hilfesuchenden bei häuslicher Gewalt tätig.

Digitale Kontrolle als Form von GewaltAuch die lückenlose Kontrolle der digitalen Kanäle des Partners kann eine Form der Gewalt sein. Das machten Vertreterinnen der Caritas-Beratungsstelle Papenburg und der BISS deutlich. Unser Foto zeigt Birgit Ridder-Stockamp (von links), Gabriele Middendorf und Heike Gertken. Jürgen Eden/Caritasverband für den Landkreis Emsland

"Die Überprüfung von Nachrichten anderer ist ein massiver Eingriff in die Persönlichkeitsrechte und dient nicht selten  dem Zweck der Kontrolle und Machtausübung", ergänzt Birgit Ridder-Stockamp. Blindes Vertrauen, psychische Abhängigkeit aber auch mangelnde Kenntnisse über die Möglichkeiten der komplexen Materie werden nach ihren Worten von den Partnern dazu ausgenutzt. Auch Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund  werden nicht selten von ihren Lebenspartnern kontrolliert. "Die meisten unserer Klienten sind allerdings nach wie vor ohne Migrationshintergrund und stammen aus dem Emsland. Das betrifft übrigens alle Schichten", so  Middendorf weiter. Sie warnte davor, dass auch die Kontrolle durch den Partner eine Form von Gewalt darstelle und in einer Gewaltspirale enden könne. Um selbsterlebte Gewalt zu verarbeiten, bietet die Caritas-Beratungsstelle regelmäßig auch Gruppengespräche an. Aber auch die Prävention könne hilfreich sein.  So wurde beispielsweise ein Miniheftchen fürs Portemonnaie herausgegeben, in dem wichtige Verhaltensregeln zum Schutz genannt werden. Nach Polizeieinsätzen bei  häuslicher Gewalt wird die Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS) tätig. Denn nach jedem Einsatz wird zeitnah die BISS informiert um nach Möglichkeiten zu suchen, die Gewalt zu beenden. "Ziel ist es betroffenen Frauen mit unterschiedlichen Beratungsangeboten und der Vermittlung von Hilfen  einen Weg aus der Gewaltspirale zu ebnen", so die Sozialarbeiterin Heike Gertken von BISS. Bei dringendem Handlungsbedarf könne das auch der Weg ins Frauenhaus sein. Aufgrund des angespannten Mietwohnungsmarktes habe sich die Verweildauer in den Frauenhäusern jedoch erhöht, da es häufig an bezahlbarem Wohnraum mangelt. Beratungstermine können in der Caritas-Beratungsstelle Papenburg unter der Telefonnummer 04961/9441-41 oder die BISS-Beratung unter 015111875830 vereinbart werden.