Aktuelles/Oktober 2018

Osnabrück

Der Herr der Stromspar-Tipps

Leonid Klevanski ist ein Rekordhalter, auch wenn er das nicht gerne hört. Mehr als 1000 Stromspar-Checks hat er für die Osnabrücker Caritas Arbeits- und Dienstleistungsgesellschaft (CAD) bereits durchgeführt - so viele wie sonst niemand. Mehr als 1000-mal haben Menschen ihm ihre Haustüren geöffnet, damit er ihre Elektrogeräte und Lampen unter die Lupe nehmen und Stromspartipps geben kann. "Ich mag an meinem Job, dass ich Menschen helfe, ganz praktisch", sagt der Routinier.

Leonid Klevanski von der CADLeonid Klevanski an seinem Stand im Jobcenter Osnabrück. Hier macht er Werbung für den kostenlosen Stromspar-Check. Franziska Kückmann

Der kostenlose Stromspar-Check der CAD richtet sich an einkommens-schwache Haushalte in Stadt und Landkreis Osnabrück, die Arbeitslosengeld II, Wohngeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen. "Wer Interesse daran hat, macht einen Termin aus, und dann kommen wir vorbei", erklärt Leonid Klevanski. "Wir" heißt: zwei Stromsparhelfer, die in der Wohnung alle Elektrogeräte und Lampen sowie deren Einsatz und Verbrauchswerte erfas-sen. "Wir schauen uns die Strom-, Wasser- und Heizungsrechnungen an, begutachten die Leuchtmittel, die Mikrowelle, den Wasserkocher, einfach alle elektronischen Geräte", so der Experte, der das schon mehr als 1000-mal gemacht hat. Er verrät: "Alte Trockner und alte Gefriertruhen sind meistens die größten Stromfresser."

Kostenloses Paket

Klevanski und seine Kollegen dokumentieren das, was sie sehen, und vereinbaren mit den Klienten einen zweiten Termin. Zu diesem bringen sie dann ein kostenloses, persönlich zusammengestelltes Paket mit LEDs, schaltbaren Steckerleisten, Wasserperlatoren und  Zeitschaltuhren mit. "Das sind Artikel im Wert von bis zu 70 Euro, mit denen sich die Stromkosten um bis zu 100 Euro im Jahr senken lassen", erläutert der CAD-Mitarbeiter. Dazu gibt es gratis Stromspartipps - "zum Beispiel, beim Kochen einen Deckel auf den Topf zu setzen, damit nicht so viel Energie entweicht". Oder auch den Hinweis, dass die Caritas den Austausch eines alten Kühlgerätes mit 150 Euro bezuschusst.

Der Stromspar-Check ist eine gemeinsame Aktion des Deutschen Caritasverbandes und des Bundesverbandes der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands, den die CAD als einer von bundesweit mehr als 150 Standorten für die Region Osnabrück umsetzt. Hier vor Ort gibt es das Angebot seit Februar 2009 - im Oktober des gleichen Jahres stieß Leonid Klevanski dazu. Über verschiedene Maßnahmen, Projekte und Förderungen des Jobcenters ist er dabei geblieben und kann sich nichts anderes vorstellen. "Vorher habe ich mal als Dolmetscher für das Sozialamt gearbeitet", sagt der gebürtige Russe und gelernte Ingenieur. "Da habe ich tatsächlich einige Klienten später beim Stromspar-Check wiedergetroffen."

Freundliche Aufnahme

In neun Jahren und mehr als 1000 Checks hat er einiges erlebt und hinter viele Türen geschaut. "Das eine oder andere Mal ist mir die Tür auch direkt vor der Nase wieder zugeschlagen worden, obwohl wir einen Termin hatten", erinnert er sich. "Aber das ist die Ausnahme. Normalerweise werden wir freundlich aufgenommen. Die erste Skepsis darüber, dass wir viele Fragen stellen und Dokumente einsehen wollen, legt sich, wenn die Menschen merken, wie sinnvoll das ist." Dass er seinen Job gut macht, bestätigen die Rückmeldungen. "Wir haben nicht selten Anrufer, die einen Termin vereinbaren wollen und sagen: Aber nur mit Herrn Klevanski", sagt Olga Kovalev von der CAD lächelnd.

Neun Stromsparhelfer sind derzeit für die CAD unterwegs - sieben im Stadtgebiet und im südlichen Landkreis, zwei im Nordkreis. In Zusammenarbeit mit der MaßArbeit Jobcenter Landkreis Osnabrück und dem Jobcenter für die Stadt Osnabrück werden die Mitarbeiter für den Stromspar-Check ausge-wählt, wodurch das Angebot eine Arbeits- und Qualifizierungschance für Langzeitarbeitslose ist. In Zusammenarbeit mit der Klimaschutzagentur für die Region Hannover GmbH schulen Energieberater die Stromsparhelfer und vermitteln das benötigte Hintergrundwissen.

Leonid Klevanski ist seit dem 1. August fest bei der CAD angestellt - "unbefristet, aber mit einer natürlichen Befristung", erklärt er, denn: Ab dem 1. Januar 2020 geht er eigentlich in Rente. Dass er dann aufhören soll, als Stromsparhelfer unterwegs zu sein, kann er sich im Moment noch nicht so richtig vorstellen. "Vielleicht mache ich weiter, irgendwie", sagt er. Und bis dahin wird er noch hinter manche Türen schauen und viele Duschköpfe und Lampen austauschen.

Der Weg zum Stromspar-Check: Das Angebot des kostenlosen Stromspar-Checks richtet sich an Haushalte, die Arbeitslosengeld II, Wohngeld, Sozialhilfe oder Grundsicherung beziehen. Interessierte vereinbaren einen Termin bei der CAD per E-Mail an strom@caritas-dienstleistung.de oder unter Tel. 0541 38052440. Infos unter www.caritas-dienstleistung.de.