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Stand: 29.04.2014

Aktuelles/Februar 2017

Osnabrück

„Folgenlose Empörung nutzt den Armen nicht“

Diskussion am von zwei Männern vor einem StehpultDer Osnabrücker Caritasdirektor Franz Loth (links) und der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes Prof. Dr. Georg Cremer diskutierten im Osnabrücker Forum am Dom über Armut in Deutschland.. Foto: Caritas / Roland Knillmann

"Folgenlose Empörung nutzt den Armen nicht. Wir müssen die sehr unterschiedlichen Lebenslagen armer Menschen genauer in den Blick nehmen, damit wir wirklich helfen können", fordert Prof. Dr. Georg Cremer, Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, mit Blick auf die Armutsdebatte in Deutschland. Der Volkswirt ist auf Einladung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Kreisverband Osnabrück-Land und des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück ins Forum am Dom in Osnabrück gekommen, um sein vielbeachtetes Buch "Armut in Deutschland" vorzustellen.

Darin beklagt Prof. Cremer, dass die allgegenwärtige rituelle Empörung keineswegs zu politischem Handeln führt. Er kritisiert zudem eine Skandalisierung, die die Angst in der Mitte der Gesellschaft befördere - einem Teil der Gesellschaft, die sich ohnehin bereits im Abstieg wähne. "Auch im kommenden Bundestagswahlkampf besteht die Gefahr, dass die Armen zwar in aller Munde sind, aber das, was die Bürger fordern und die Politiker versprechen, die Situation der Armen nicht verbessern würde. Das zeigt sich an der Diskussion zur Rente", kritisiert der Caritas-Generalsekretär. "Deutschland hat einen gut ausgebauten Sozialstaat. Aber wir müssen ihn so weiterentwickeln, dass es besser als heute gelingt, Notlagen zu vermeiden. Dazu gehört eine Bildungs- und Beschäftigungspolitik, die Menschen aus prekären Milieus hilft, ihre Potentiale zu entfalten."

Armut in DeutschlandVolles Haus im Osnabrücker Forum am Dom: Der Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes Prof. Dr. Georg Cremer diskutiert über Armut in Deutschland.Foto: Caritas / Roland Knillmann

Der Osnabrücker Caritasdirektor Franz Loth betont: "Der Kampf gegen Armut muss mit Bildung geführt werden. Hinzu kommt eine Grundsicherung, die den Betroffenen erlaubt, ohne Not zu leben. Hier muss noch mehr getan  werden!" Loth fordert zudem eine Wohnungsbaupolitik, die es Menschen mit kleinem Einkommen ermöglicht, eine angemessene Wohnung zu mieten. Loth weiter: "Von diesen Fragen hängt ein Gutteil des sozialen Friedens in unserem Land ab."

"Wichtig ist, dass die Rente zukunftsweisend geändert wird und somit eine Altersarmut besonders bei Frauen vermieden wird. Außerdem sollte über ein Grundeinkommen für Kinder und ein garantiertes Grundeinkommen für alle nachgedacht werden, um auf diese Weise Familien zu stärken. Zusammen mit Bildung kann so Armut in Deutschland verhindert werden. ", sagt Klaus Mendrina, Vorsitzender des CDA Kreisverbands Osnabrück-Land.