Aktuelles/Oktober 2017

Osnabrück

Salvete Seminar Nähe und Distanz in Beziehungen

Salvete Seminar Oktober 2

Erneut waren der Einladung von Therese Aniol, Dipl.-Päd. und Koordinatorin des Freiwilligenengagements in der Flüchtlingshilfe "Projekt Salvete” zahlreiche Ehrenamtliche aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück gefolgt.

Da der Referent Frank Ehninger, Universität Osnabrück ausfiel, wurde dieser Part von Dr. Debbie Coetzee-Lachmann, ebenfalls Universität Osnabrück, übernommen.

"Wie viel Nähe ist gut?" - "Wie viel Distanz ist nötig?".

Laut Dr. Coetzee-Lachmann haben die meisten Menschen keine wirkliche Beziehung, jedoch eine Vorstellung davon. Respekt, Geduld und Aufmerksamkeit auf geistiger Ebene sollten vorhanden sein. Erst vor dem Tod eines Menschen wird seine "Beziehung" deutlich. Die Beziehung steht immer an erster Stelle, wichtig ist hierbei, wie Menschen in den ersten Lebensjahren durch ihr Umfeld geprägt wurden. Ab einem bestimmten Alter ist diese Prägung/Konditionierung nicht mehr möglich.

In drei Arbeitsgruppen tauschten sich die Teilnehmer/innen zunächst über "Grundvorstellungen" aus: "Welche schönen Erfahrungen haben Sie bislang in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten gemacht?" und "welche schwierigen Erfahrungen haben Sie bislang in der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten gemacht?" Gemeinsam wurden anschließend die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. In vielen Punkten waren sich wohl alle Beteiligten einig, dass es zu den schönen Erfahrungen gehört, wenn Vertrauen entsteht und sich Dankbarkeit zeigt. Unzuverlässigkeit und der teilweise Umgang mit Behörden sowie Ausfüllen von Formularen wohl zu den schwierigen Erfahrungen gehören. Einigkeit bestand auch darin, dass z. B. Humor und Empathie zu den guten Eigenschaften gehören

Es wurde deutlich gemacht, dass es komplett andere Denkweisen bei Menschen sowie keine allgemeingültigen Verhaltensweisen gibt. Jede Sichtweise ist anders. Für ein Zurechtkommen mit unserem System ist es erforderlich, sich an bestimmte Regeln zu halten (ohne die es sonst gar nicht erst möglich ist). Klar sollte hierbei sein, dass diese Regeln nicht überall auf der Welt gelten. Ganz deutlich wurden die kulturellen Unterschiede zu Wahrheit, Distanzlosigkeit, Vertrauen +/-, Beziehung zur Zeit und Vereinbarung, Gastfreundlichkeit, Kompetenz im System (auch Vorstellungen) gemacht. Deutlich wurde auch, dass Menschen Generationen benötigen, um sich einer ganz neuen Umgebung anzupassen.

Mit dem Bewusstsein, dass Lernprozesse individuell und Kulturen unterschiedlich sind, jeder Mensch durch seine Herkunft anders geprägt ist, tut der/die Ehrenamtliche gut daran sich zu fragen, ob er mit dem Verhalten eines geflüchteten Menschen umgehen kann oder nicht. Davon hängt Nähe und Distanz ab. Klar sollte dabei sein, dass das Grundgerüst der geistigen und emotionalen Prägung in den meisten Fällen auf beiden Seiten nicht verändert wird. Evtl. ist es besser sich zu distanzieren, wenn kein Umgang auf Augenhöhe zustande kommt.

Auch gab es Gelegenheit, seine eigene Einstellung zu prüfen um herauszufinden, welches die wichtigsten Eigenschaften einer guten Helferin bzw. guten Helfers sind. So konnten die Gründe der eigenen Auswahl und Gewichtung herausgefunden werden, um sie mit den anderen Teilnehmern/Teilnehmerinnen auszutauschen.

Allen Teilnehmer/innen wurde geraten einmal zu Hause zu reflektieren, ob die eigene Erwartung losgelassen werden kann, mit der Erwartung anders zu leben und sich zu fragen, ob Verantwortung abgegeben werden kann.

Einigkeit herrscht auch in dem Punkt, dass die Helfer/innen durch den Umgang mit den geflüchteten Menschen viel lernen können.

Ein herzliches DANKESCHÖN an das Land Niedersachsen für die Finanzierung des Seminars,  an die Referentin sowie allen organisatorischen Helfer/innen für diesen gelungener Tag auf geistiger und emotionaler Ebene.

Text: Rita Westerheide /Seminarteilnehmerin