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Rückfallbehandlung

 Das anhaltende oder plötzlich wieder auftretende Verlangen nach einer bestimmten Substanzwirkung (Craving) wird häufig als entscheidende motivationale Komponente des fortgesetzten Konsums oder der Rückfälligkeit nach Abstinenzzeiten angesehen. Die häufigsten Anlässe für Rückfälle sind nicht Überredung, Streit oder Zweifel an der Schwäche gegenüber dem Suchtmittel, sondern unangenehme Gefühle: Ärger, Einsamkeit, Niedergeschlagenheit, Angst, Gereiztheit, Gekränktsein, unerklärliche Stimmungsschwankungen, Gefühle der Sinnlosigkeit und Leere, Anspannung und Nervosität. Rückfälle geschehen auch nicht zum größten Teil auf Festen oder in Lokalen, sondern zu Hause. Die Bewältigung von Rückfallsituationen beeinflusst die Prognose von Suchterkrankungen wesentlich. Voraussetzung für einen konstruktiven Umgang mit der Rückfälligkeit ist eine differenzierte Ursachenanalyse, denn Rückfälle haben nicht nur sehr unterschiedliche Auslöser, sondern auch ganz verschiedene Verläufe.

Suchtverhalten entsteht aufgrund der spannungsreduzierenden und belohnenden Wirkung von psychotropen Substanzen über die Ausschüttung des Neurotransmitters Dopamin im Nucleus accumbens. Die neuronalen Veränderungen bleiben auch bei langer Abstinenz als Gedächtnisspur erhalten.

In der Regel liegen symptomfreie Lebensabschnitte, z.B. nach einer stationären Therapie, vor, die positiv bewertet wurden, so dass die Behandlung unmittelbar an diese Erfahrungen anknüpfen kann. Durch die genaue Betrachtung der Rückfallsituation ergeben sich klare Ziele für die stationäre Behandlung. Beeinträchtigungen liegen schwerpunktmäßig im Bereich der beruflichen Teilhabe, während die gesellschaftliche Teilhabe meist noch weitgehend erhalten ist.

Neben der individuellen Aufarbeitung der Rückfälligkeit in der Einzel- und Gruppentherapie schafft auch die Indikationsgruppe "Rückfallprophylaxe" Grundlagen für eine abstinente Lebensweise. Inhalte sind:

  • Vermittlung von Wissen über das Rückfallgeschehen
  • Erfahrungsaustausch persönlicher Rückfallerfahrungen
  • Analyse von Rückfallverläufen nach Marlatt und Gordon
  • Erkennen von Risikosituationen und Erarbeiten von Lösungsstrategien
  • Trinkverlangen, Suchtdruck, Ablehnen von Trinkaufforderungen
  • Alkohol in Speisen
  • Grundlegende Verhaltensweisen als Abstinenzler/ Netzwerkorientierung
  • Grundlagen der Psychohygiene
  • Abstinenzkarte, Notfallpass, Abstinenzkreditkarte: praktische Möglichkeiten der Neuorientierung und Krisenproprophylaxe