Rehabilitationselemente

Rehabilitationselemente

01. Medizin

Die medizinische Behandlung dient der Wiederherstellung des allgemeinen körperlich-neurovegetativen Wohlbefindens mit dem Ziel der Wiedererlangung einer zufrieden stellenden beruflichen und sozialen Teilhabe.

Schulungen zu gesundheitsförderndem Verhalten, zur Suchterkrankung und möglichen Folge- und Begleiterkrankungen sowie zum Infektionsschutz dienen der Verbesserung der Wahrnehmung des eigenen Körpers und der Entwicklung eines gesundheitsbewussten Lebensstils. Interkurrente Erkrankungen werden in Kooperation mit niedergelassenen Fachärzten und den Krankenhäusern der Region diagnostiziert und der indizierten Behandlung zugeführt. Der medizinischen Leitung obliegt die Supervision des Rehabilitationsprozesses.

Am Ende der Rehabilitationsbehandlung erfolgt unter Einbeziehung aller Befunde die sozialmedizinische Beurteilung.

02. Psychotherapie

Zentrale Aufgaben der Psychotherapie im Einzel- und Gruppensetting sind:

  • die Auseinandersetzung mit Ursachen und Folgen der Suchterkrankung unter Berücksichtigung unterschiedlicher Suchtverläufe
  • der Aufbau von Rückfallpräventionsstrategien durch das Kennenlernen eigener Suchtmuster und Rückfallgefährdungen
  • die Förderung einer erhöhten emotionalen Durchlässigkeit und Offenheit
  • die Erarbeitung und sukzessive Durchführung alternativer Problemlösestrategien
  • die Auseinandersetzung mit wichtigen persönlichen Themen
  • die Verbesserung der sozialen Kompetenz
  • die Erarbeitung einer zufriedenstellenden Zukunftsperspektive

Folgende Verfahren kommen dabei zur Anwendung 

  • Verhaltenstherapie
  • Tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie
  • Systemische Therapie
  • Gestalttherapie
  • Integrative Therapie
  • Kunsttherapie
  • Suchtspezifische Therapieausbildung/Sozialtherapie.

Ein integrativer therapeutischer Ansatz nutzt die verschiedenen methodischen Ressourcen und Mitarbeiterkompetenzen. Dabei wird der interdisziplinären Kooperation und Vernetzung von Behandlungsaufgaben ein hoher Wert beigemessen, da das therapeutische Milieu und die effektive personenbezogene Behandlungsgestaltung maßgeblich durch eine professionelle Zusammenarbeit bestimmt werden.

03. Indikative/Edukative Angebote

Die indikativen/edukativen Gruppen werden selektiv durchgeführt - sie orientieren sich weitgehend an den Problemlagen des einzelnen Rehabilitanden. Bei der Zuordnung der Rehabilitanden zu den einzelnen Gruppen findet ein Abstimmungsprozess zwischen Interessen und Neigungen der Rehabilitanden und Empfehlungen der Bezugstherapeuten/-innen statt. Die folgende Auswahl verdeutlicht das breit gefächerte Angebot:

  • Basiswissen Sucht
  • Soziales Kompetenztraining
  • Training emotionaler Kompetenzen
  • Rückfallprophylaxe
  • Affektregulationstraining
  • Stressbewältigung
  • Entspannungstraining
  • Trauma und Sucht Bewältigung (Sicherheit finden)
  • Motivationsgruppe zur Nikotinentwöhnung
  • Cannabis-Ablehntraining
  • Freizeit und Sucht
  • Ernährungsberatung
  • Rückenschule
  • EDV-Training
  • Bewerbungstraining
  • Schulische Qualifizierungen
  • Sonstige Schulungen und Trainings, z. B. Sprachkurse, Stress am Arbeitsplatz, Alltagsplanung ohne Arbeit
  • Umgang mit depressiven Verstimmungen
  • Umgang mit Ängsten und sozialen Phobien

 

04. BORA: Berufliche Orientierung in der Rehabilitation Abhängigkeitserkrankter

Eines der wichtigsten Therapieziele ist die berufliche Wiedereingliederung bzw. der Erhalt der Erwerbsfähigkeit der Patienten.

Im Rahmen von rehabilitativen Maßnahmen ist es zielführend, die Arbeitssituation von Rehabilitanden in ihrer Bedeutung gleichermaßen als einen potenziell die Erwerbsfähigkeit gefährdenden Belastungsfaktor, als Quelle der Bedürfnisbefriedigung und als Möglichkeit, persönliche Kompetenzen nutzen und entwickeln zu können, zu thematisieren.

Mit dem Wegfall von Arbeit kann ein Verlust von Tagesstruktur, äußeren Anforderungen, Aktivität und Sinnstiftung verbunden sein.

Dementsprechend wird mittels Screeningverfahren und ggf. anhand anderer Kriterien entweder bereits im Vorfeld oder direkt bei Aufnahme in der Fachklinik Nettetal der berufsbezogene Behandlungsbedarf ermittelt.

Die Ergo-/Arbeitstherapie soll die motorisch-koordinatorischen Funktionen üben, aber auch Konzentration, Durchhaltevermögen, Ausdauer, die Motivation zur Arbeit und bei Männern zentral das Selbstwertgefühl stärken. Weitere Ziele sind die Entwicklung von Selbstständigkeit, Eigenverantwortung, Kritikfähigkeit, Konfliktfähigkeit, realistische Selbsteinschätzung und Entwicklung von Konstanz als basale Fertigkeiten der beruflichen Leistungsfähigkeit. Die Fachklinik stellt differenzierte Arbeitsmöglichkeiten bereit, um je nach Bedarf des Patienten unterstützende oder korrigierende arbeitstherapeutische Maßnahmen anwenden zu können.

Im Laufe der Rehabilitation werden in Abhängigkeit der spezifischen, beruflichen Problemstellung weitere unterschiedliche Angebote bereitgehalten:

  • Indikative Angebote (Bewerbungstraining, Erstellen einer Bewerbungsmappe, PC-Schulung)
  • Belastungserprobungen (Betriebspraktika, Hospitationen, Kooperationen mit Einrichtungen des zweiten Arbeitsmarktes, Berufförderungswerke
  • Sozialrechtliche Beratung zur Berufsfindung, Arbeitsplatzfindung oder Arbeitsplatzsicherung / Wiedereingliederung
  • Beratung zur Teilhabe am Arbeitsleben unter Einbeziehung von Reha-Beratern und regionalen Service- und Beschäftigungsagenturen
  • Soziale Gruppenarbeit zum Training sozialer Kompetenzen und zum Umgang mit Konflikten und Autoritäten am Arbeitsplatz
  • Arbeitsplatzbezogene Interventionen wie Gespräche mit dem Arbeitgeber, Betriebsrat, Behindertenvertretung, u.s.w.

Die berufsintegrativen Maßnahmen werden von einem Ergo- oder Arbeitstherapeuten begleitet. Er ist zu Behandlungsbeginn für die Erhebung der ausführlichen Ausbildungs- und Berufsanamnese verantwortlich, führt eine Diagnostik in Anlehnung an MELBA durch, unterstützt die Patienten in der Ergo- und Arbeitstherapie und den internen Belastungserprobungen, begleitet die Patienten bei der Praktikumssuche und hält regelmäßig Kontakt zu den Praktikumsgebern, auch am Arbeitsplatz. Patienten, bei denen eine Berufsfindung oder eine berufliche Neuorientierung im Vordergrund steht, werden vom Arbeitstherapeuten in der Kontaktaufnahme zum Arbeitsamt und in der Durchführung von Berufseignungstests begleitet.

 

05. Sozialberatung

Bedingt durch Drogenkonsum oder Kriminalität sind die Betroffenen oft in einem Maße überschuldet, dass die Integration ernsthaft gefährdet ist. Hinzu kommen Probleme mit Behörden oder Ämtern, die sich belastend auf den Lebensalltag auswirken. Zunächst ist es Aufgabe der Mitarbeiter gemeinsam mit dem Patienten hier ganz lebenspraktische Therapieziele zu formulieren und an der Umsetzung mitzuarbeiten. Falls notwendig werden Beratungsstunden durch externe Fachleute vermittelt. 
Im Allgemeinen ergeben sich folgende Beratungsschwerpunkte:

  • Schuldnerberatung
  • Hilfe und Unterstützung bei Kontakten mit Ämtern und Behörden
  • Unterstützung hinsichtlich Wohnungsfragen
  • Beratung bei arbeitsbezogenen Problemen
  • Klärung anderer finanzieller Angelegenheiten