Aktuelles / November 2017

Osnabrück

"Heute Flüchtling - morgen Fachkraft"

Flüchtlinge und Pflege 1Berichten von ihren Erfahrungen: (ab 2.v.l.) Azizullah Alizada, Assadullah Rahmani (beide aus Afghanistan), Samaa Mahmoud (aus Syrien) und Adam Elnor (aus dem Sudan) im Gespräch mit Moderator Ludger Abeln von der Caritas (links). Franziska Kückmann

Flüchtlinge und Pflege: Seit Anfang September läuft an der BBS im Marienheim in Osnabrück-Sutthausen das Projekt "Heute Flüchtling - morgen Fachkraft" mit insgesamt 16 jungen Männern und Frauen, die aus ihren Länder fliehen mussten. Die Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück und deren Stifter, der Caritasverband für die Diözese Osnabrück, unterstützen das Projekt mit insgesamt 9.000 Euro. Caritas-Vertreter besuchten nun die Schule, um sich einen Eindruck vom angelaufenen Projekt zu verschaffen.

Sprache als Herausforderung

Neun Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund besuchen an der BBS die Berufseinstiegsklasse mit dem Schwerpunkt Hauswirtschaft und Pflege, um ihren Schulabschluss zu erlangen - und sich möglicherweise hinterher für eine pflegerische Berufslaufbahn zu entscheiden. Vier junge Geflüchtete sind im ersten Jahr der

Flüchtlinge und Pflege 3Die Schüler-Paten im Projekt "Heute Flüchtling - morgen Fachkraft" berichten von ihren Erfahrungen.Franziska Kückmann

Pflegeassistentenausbildung, und je eine Schülerin mit Fluchthintergrund ist in der Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin, in der Ausbildung zur Persönlichen Assistenz  sowie in der Klasse 11 der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik. "Die Sprache ist die größte Herausforderung", sagt Assadullah Rahmani aus Afghanistan. "Aber an der Schule fühle ich mich sehr wohl und ich freue mich über die Chancen, die sich mir bieten."

Flüchtlinge und Pflege 2Josef Moß (vorne links) und Ansgar Bensmann (rechts daneben) von der Caritas hören gespannt den Ausführungen der Schülerinnen und Schülern zu.Franziska Kückmann

Über die normale schulische Betreuung hinaus werden die Geflüchteten intensiv von etwa 40 Schüler-Paten begleitet, die sich um die Integration in den (Schul-)Alltag bemühen. Dazu zählen Nachhilfe, Sprachförderung und Hausaufgabenbetreuung, aber auch Hilfestellungen im außerschulischen Alltag oder Fragen rund um die Praktikumserfahrungen im Pflegebereich. "Es macht Spaß, und zugleich ist es manchmal gar nicht so leicht zu verarbeiten, was einige unserer neuen Mitschüler in ihrem bisherigen Leben mitgemacht haben", beschreibt Patin Vanessa Wellendorf diese Aufgabe.

Integration durch Bildung

Wenn die Schülerinnen und Schüler mit Fluchthintergrund die Berufseinstiegsklasse erfolgreich abgeschlossen haben, können sie an der BBS direkt die Ausbildung zum Pflegeassistenten beginnen. "Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Projekt ein hohes Maß an Integration schaffen und potenzielle Nachwuchskräfte fördern", sagt Schulleiterin Schwester Eva-Maria Siemer.

Flüchtlinge und Pflege 4Gemeinsam singen die Schülerinnen und Schüler mit und ohne Fluchthintergrund zum Abschluss ein Lied.Franziska Kückmann

Für die Caritas-Gemeinschaftsstiftung Osnabrück hat dies Vorbildcharakter. "Dem Caritasverband ist die Integration durch Bildung und berufliche Qualifikation ein zentrales Anliegen. Die Qualifizierung für den Pflegebereich zielt dabei auf ein Tätigkeitsfeld, in dem künftig ein hoher Bedarf sein wird", betont Ansgar Bensmann aus dem Vorstand der Caritas-Gemeinschaftsstiftung. "Die passgenaue Förderung ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern mit Fluchthintergrund, einen Schulabschluss zu erwerben und zugleich Einblicke in das Arbeitsfeld Pflege zu bekommen. Das ist ein wichtiger Schritt für eine nachhaltige Arbeitsmarktintegration."