Aktuelles / November 2017

Bistum Osnabrück

„Die christliche Tradition ist offen für Fremde“

Podiumsdiskussion beim Forum Caritas 2017Diskutierten das Thema Populismus: (v. l.) Franz Loth, Ralf Gei-senhanslüke, Roland Knillmann, Michael Strob, Franziska Kückmann, Thomas Müller, Carmen Guerra und Generalvikar Theo Paul. Günter Sandfort

"Wir müssen den Angriff auf unsere Gesellschaft und unser christliches Wertesystem sehr ernst nehmen", betonte der Caritasratsvorsitzende Diakon Dr. Gerrit Schulte beim "Forum Caritas" des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück mit Blick auf die Agitationen von Populisten. Die Diskussionsveranstaltung mit dem "Populisten - Propheten oder Brandstifter?" stellte unter anderem die Frage, ob Populisten den Finger in die Wunden von Politik, Gesellschaft und Medien legen oder doch eher mit diffusen Ängsten spielen und Vorurteile geschickt für ihre Zwecke nutzen. Etwa 90 Zuhörerinnen und Zuhörer waren dafür in die Katholische Landvolkhochschule in Oesede gekommen.

"Migration gehört dazu"

Schulte forderte Kirche und Caritas als Institutionen, aber auch Christinnen und Christen im Einzelnen dazu auf, argumentativ dagegenzuhalten und "dort Stoppschilder zu platzieren, wo die Menschenwürde infrage gestellt wird". Generalvikar Theo Paul hob hervor: "Wir haben keine andere Möglichkeit, als mit Menschen zu diskutieren, die populistischen Aussagen folgen." Zugleich stellte er klar: "Zur jüdisch-christlichen Identität gehört Migration dazu, und zwar gelungene, positiv besetzte Migration." Er nannte dies "elementar für das Christentum": "Unsere christliche Tradition ist offen für Fremde."

Thomas Müller, Roland Knillmann, Theo PaulIm Austausch: (v.l.) Thomas Müller (Landesdemokratiezentrum), Roland Knillmann (Moderator) und Generalvikar Theo Paul.Günter Sandfort

In einem Impulsvortrag spannte Ralf Geisenhanslüke, Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung, den geschichtlichen Bogen und ana-lysierte, dass es Populismus bereits seit Jahrtausenden gebe. Er betonte: "Populisten geht es häufig um gefühlte Wahrnehmungen und nicht um Fakten. Das macht dieses Thema in der gesellschaftlichen Auseinandersetzung so komplex und kompliziert." Für ihn seien Populisten in jedem Fall Brandstifter und keine Propheten.

Viele Aspekte

Auf dem Podium, das von Caritas-Pressesprecher Roland Knillmann moderiert wurde, zeigte sich, wie viele Aspekte die Populismus-Debatte mit sich bringt. Caritasdirektor Franz Loth hob den Einsatz der Caritas für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hervor, was Populis-ten den Nährboden entzöge. Thomas Müller, Leiter des Landesdemokratiezentrums Niedersachsen, betonte die Bedeutung interkultureller Kontakte, um Vorurteile abzubauen. Dass sich die Stimmung in der Arbeit im Migrationsbereich durch den wachsenden Populismus verändert hat, bestätigte Caritas-Mitarbeiterin Carmen Guerra. SKM-Geschäftsführer Michael Strob berichtete aus den Erfahrungen im Bereich der Wohnungslosenhilfe, den Populisten als Betätigungsfeld für sich entdeckt haben. Franziska Kückmann, stv. Caritas-Pressesprecherin, stellte das Angebot eines Argumentationstrainings vor, das gegen Stammtischparolen sprachfähig macht.