Osnabrück, 9. Juli 2010. Zum ersten Mal in seiner fast 100-jährigen Geschichte hat der Caritasverband für die Diözese Osnabrück einen hauptamtlichen, geschäftsführenden Vorstand. Der hat nun seine Arbeit aufgenommen: Im Fokus von Caritasdirektor Franz Loth und seinen beiden Stellvertretern Ulrich Kupczik und Günter Sandfort stehen zukünftig fünf Meilensteine: die Personal- und Finanzentwicklung, die Stärkung der Regionalverbände, die Zusammenarbeit der Caritasverbände auf Landesebene und die Weiterentwicklung des Qualitätsmanagements.
Der Caritasverband beschäftigt heute mehr als 2000 Mitarbeiter und ist für mehr als 16 000 Menschen in caritativen Diensten als Spitzenverband tätig. Daher ist der Verband ein wichtiger Arbeitgeber und regionaler Wirtschaftsfaktor. „Wir müssen heute mehr denn je verantwortlich wirtschaftlich denken und handeln", sagt Caritasdirektor Franz Loth. Mit der Neuorganisation des Verbandes wurden Leitungsverantwortung und Aufsicht getrennt. Der vom Bischof ernannte Vorsitzende des Aufsichtsrates ist Diakon Dr. Gerrit Schulte. „In der Krise der Kirche ist die Caritas besonders gefordert, die Botschaft Christi in das Leben der Menschen einzubringen und deutlich zu machen, wozu Kirche tatsächlich dient“, so Schulte: „Wir wollen zum Heil des Menschen beitragen, dass sie auf die Krisen antworten können und ihr Leben gelingt."
Der neue Vorstand will vor allem die Aus- und Weiterbildung stärken und – mit Blick auf die demografische Entwicklung – Anreize schaffen, dauerhaft qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte zu finden. Neben der intensiveren Zusammenarbeit zwischen Caritas und Kirchengemeinde sollen Ehrenamtliche stärker integriert und Angebote zur persönlichen Orientierung für Mitarbeiter geschaffen werden. „Wir wollen als einer der stärksten Arbeitgeber in der Region attraktiver werden“, so Loth. „Um gut zu arbeiten, brauchen wir gute Mitarbeiter.“
Mit Blick auf einen Rückgang der Kirchensteuern und die finanziellen Probleme von Kostenträgern will der Verband zusätzliche Mittel akquirieren, wie zum Beispiel EU-Fördermittel. Durch regionalisiertes Fundraising soll das Stiftungsvermögen erhöht werden. Bei den Ausgaben sollen Synergien genutzt und Angebote aufeinander abgestimmt werden, zum Beispiel durch Einkaufsgemeinschaften. Darüber hinaus sollen Maßnahmen zur Refinanzierung geschaffen werden durch innovative Leistungsangebote wie in den Bereichen Jugendsozialarbeit und Schule, haushaltsnahe Dienstleistungen oder Beschäftigungsgesellschaften.
Dabei steht auch das Tarifsystem des kirchlichen Wohlfahrtsverbandes im Fokus. „Wir müssen akzeptieren, dass wir uns in Märkten bewegen und diese Märkte sehr dynamisch agieren und reagieren“, sagt Loth. Das Tarifsystem soll optimiert werden, ohne Arbeitsplätze oder Einrichtungen zu gefährden.
Vor dem Hintergrund der Kommunalisierung und der Sozialraumorientierung sollen die Regionalverbände gestärkt und Orte systematischer Zusammenarbeit entwickelt werden. Pfarreien und Dekanate sollen vor Ort stärker mit den Caritasverbänden zusammenarbeiten. Darüber hinaus will der Caritasverband die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden in Niedersachsen intensivieren. „Wir wollen auf Landesebene zukünftig schnell und einheitlich auf politische Entwicklungen reagieren und proaktiv handeln“, sagt Loth.
Last but not Least soll es ein übergreifendes Qualitätsmanagementsystem geben. „Das ist ein entscheidendes Instrument zur Umsetzung strategischer und operativer Ziele“, sagt Loth. „Dazu gehören auch die aus den bestehenden christlichen Grundlagen resultierenden Leitlinien.“ Dafür sollen Mitarbeiter gezielt unter Beachtung altersgerechter Personalentwicklung gefördert werden.